Wer heute ein Vertriebszentrum betritt, sieht vor allem Roboter. Shuttles, die blitzschnell durch die Regale schießen. Fließbänder, die keinen Moment stillstehen. Software, die bestimmt, was wohin kommt. Manchmal scheint es, als würde der Mensch langsam aus dem Lager verschwinden.
Doch wer glaubt, die Automatisierung sei eine Sache von “ein paar Robotern und fertig”, der irrt.
In unserer Welt bauen wir keine einzelnen Maschinen, sondern komplette Produktionsanlagen. Automatisierte Lagerhäuser sind kapitalintensive Anlagen, die jahrelang halten müssen. Sie müssen stabil laufen, tagein, tagaus. Das erfordert Technik, Integration, Service und - vor allem - Wissen. Sehr viel Wissen.
Die Nachfrage nach Automatisierung wächst schnell. Das ist keine Neuigkeit. Die E-Commerce-Welle hat die Logistik strukturell verändert, und diese Bewegung setzt sich fort. Aber ein Roboter allein macht noch kein Vertriebszentrum.
Wir stellen fest, dass die Kunden manchmal denken, dass Automatisierung eine Art Plug-and-Play ist. Dass man einen Katalog öffnet, einen Konfigurator durchläuft und ein paar Wochen später eine laufende Installation hat. So funktioniert es aber nicht. Jedes Projekt ist maßgeschneidert. Jedes Lager hat seine eigenen Prozesse, Zwänge und Ambitionen. Und jede Investition muss sich über Jahre hinweg bewähren.
Was mich mindestens genauso beunruhigt, ist die Rolle des Menschen in dieser zunehmend automatisierten Welt. Der Gabelstaplerfahrer verschwindet langsam aus den Lagern. An seine Stelle treten Techniker, Softwarespezialisten und Wartungsingenieure. Menschen, die verstehen, wie Systeme zusammenarbeiten. Menschen, die Daten lesen können. Menschen, die Fehler verhindern, anstatt sie nur zu beheben.
Und das ist der Punkt, an dem es scheitert.
Die Einschreibungen in technische und logistische Kurse stehen unter Druck, während der Bedarf an Wissen und Fähigkeiten sogar steigt. Wir bauen vollautomatische Verteilzentren, aber die Ausbildung konzentriert sich manchmal noch auf Berufe, die es später kaum noch geben wird. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Signal. Wir werden als Branche in die Aus- und Weiterbildung investieren müssen. Nicht nur aus Idealismus, sondern auch aus Eigeninteresse. Ohne Techniker, keine funktionierenden Systeme. Ohne Wissen keine zuverlässige Logistik.
Die Automatisierung macht unsere Arbeit effizienter, schneller und berechenbarer. Sensoren messen Temperatur, Vibration und Lärm. Die Daten sagen uns, wann eine Wartung erforderlich ist, noch bevor es zu einem Ausfall kommt. Das ist eine enorme Hilfe, vor allem jetzt, wo gute Techniker rar sind. Aber die Technologie ersetzt nicht die Verantwortung.
Letztlich geht es um Vertrauen. Die Kunden investieren Millionen in Anlagen, die ihre Logistik tragen müssen. Dann braucht man Partner, die mitdenken, ehrliche Ratschläge geben und bleiben, sobald das System in Betrieb ist. Nicht nur während des Verkaufs, sondern vor allem danach.
Die Automatisierung verändert die Logistik radikal. Das ist unumkehrbar und auch notwendig. Aber wir sollten nicht so tun, als würde der Mensch von der Bildfläche verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall. In einer Welt voller Roboter macht das menschliche Wissen den Unterschied aus. Die Zukunft des Lagers ist automatisiert. Die Zukunft der Logistik bleibt die menschliche Arbeit.
René Wolters
Geschäftsführer KNAPP Benelux
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