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Herausforderungen und Chancen im belgischen Industriebau: Interview mit Marc Dillen (Embuild Flanders)

Herausforderungen und Chancen im belgischen Industriebau: Interview mit Marc Dillen (Embuild Flanders)

2023 war ein schwieriges Jahr für das Baugewerbe in unserem Land. Die jährlichen Zahlen von Embuild, dem mit mehr als 16.000 Mitgliedern einflussreichsten Branchenverband der Bauwirtschaft, zeigen, dass die Bautätigkeit in Belgien im vergangenen Jahr insgesamt um 0,3 Prozent zurückgegangen ist. Im Industriebau sieht Marc Dillen, Generaldirektor von Embuild Flanders, ein gemischtes Bild: Neubauten sind rückläufig, während Renovierungsprojekte zunehmen. Was sind seiner Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen und Chancen im Nichtwohnungsbau und bei der Renovierung?

Wenn man die Zahlen aus dem Embuild-Jahresbericht 2023 näher betrachtet, stellt man fest, dass der Nichtwohnungsbau in Belgien um 3,3 Prozent zurückging, während die Nichtwohnungsrenovierung leicht um 1,6 Prozent anstieg. Interessant ist, dass die Zahl der Infrastrukturprojekte in unserem Land um 4,7 Prozent gestiegen ist. "Seit 2018 veröffentlicht das flämische Omgevingsloket jährlich Zahlen über die Anzahl der eingereichten Genehmigungsanträge für Projekte in Industrie und Gewerbe", sagt Marc Dillen. "Und was zeigen sie? Im Jahr 2023 ist die Zahl der Anträge mit 1.816 eingereichten Unterlagen stark rückläufig. Dies steht in krassem Gegensatz zu den 2.227 und 2.567 Anträgen in den Jahren 2021 und 2022."

Widerstandsfähiger Sektor

Trotz dieser ominösen Zahlen scheint der (industrielle) Bausektor widerstandsfähig und zukunftssicher zu sein. Der Spitzenmann von Embuild Flanders weist darauf hin, dass Herausforderungen wie nachhaltiges (Wieder-)Bauen, Digitalisierung und Automatisierung, Compliance und Personalmanagement in große Chancen verwandelt werden können. "Von unserem Branchenverband aus ziehen wir weiter an einem Strang, um hinderliche Faktoren zu bekämpfen. Wir sprechen zum Beispiel von langsamen Genehmigungsverfahren, komplexem Verwaltungsmanagement und dem Mangel an verfügbaren Bauflächen. In unserem Jahresbericht haben wir fünf Prioritäten pro Region aufgelistet, wobei unter anderem öffentliche Investitionen, fossilfreie Gebäude, ausreichend Baupersonal und reibungslosere Genehmigungsverfahren im Mittelpunkt stehen."

Langsame Genehmigungsverfahren

Langsame Genehmigungsverfahren sind eine der meistdiskutierten Herausforderungen im belgischen (industriellen) Bausektor. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein Genehmigungsverfahren im Durchschnitt zwei bis drei Jahre dauert. "Jahr für Jahr gibt es mehr Genehmigungsanträge. Die gleiche Anzahl von Beamten muss eine steigende Anzahl von Genehmigungen bearbeiten", stellt Marc Dillen fest. "Dieser Engpass führt nicht nur zu Verzögerungen bei der Projektumsetzung, sondern auch zu höheren Kosten und einer schlechteren Wettbewerbsposition für belgische Industriebetriebe. Wir brauchen dringend eine (digitale) Vereinfachung der Verwaltungsverfahren."

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Die belgischen Industriebetriebe bemühen sich sehr um nachhaltiges (Wieder-)Bauen.

Engpassberufe

Die komplexe administrative Verwaltung auf industriellen Baustellen ist ein bekanntes Problem. Marc Dillen: "Dazu gehören die Koordination der verschiedenen Bautätigkeiten, das Management von Genehmigungen und Sicherheitsvorschriften sowie die Pflege von Dokumentationen und Berichten. Wir müssen uns noch stärker auf die Digitalisierung der Bauprozesse, den Einsatz moderner Anwendungen wie BIM und Investitionen in die Aus- und Weiterbildung des Baupersonals konzentrieren." Auch die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt eine große Herausforderung dar. "Wir sehen, dass die Liste der Engpassberufe jedes Jahr länger wird. Das kann auch das Wachstum von Bauunternehmen erschweren", sagte Marc Dillen. "Unsere Bauunternehmen haben es nicht leicht, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Investitionen in eine starke Bindungspolitik, die Zusammenarbeit mit Aus- und Weiterbildungseinrichtungen und die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte sind Elemente, die hier helfen können."

Verfügbare Geschäftsräume

Ein weiteres heikles Thema in unserem Land ist der Mangel an verfügbaren öffentlichen Flächen für den Bau neuer Gewerbegebiete. Marc Dillen: "Modern ausgestattete Gewerbegebiete sind ein entscheidendes Element der wirtschaftlichen Entwicklung in unserem Land. Jüngste Zahlen von Vlaio zeigen, dass 63 Prozent der Gewerbegebiete in unserem Land eine wirtschaftliche Funktion haben, während 12 Prozent als Infrastruktur gefärbt sind. Auffallend ist auch, dass 9 % dieser Standorte vorübergehend nicht realisierbar sind. Embuild setzt sich unter anderem für eine effizientere Nutzung bestehender Standorte durch Sanierung und Umwidmung ein. Die Macht lokaler Aktionsgruppen ist oft zu groß, was die verfügbare Nettofläche für Unternehmen reduziert."

Stark im nachhaltigen Bauen

Schließlich verweist der Geschäftsführer von Embuild Flanders auf die zahlreichen Bemühungen der belgischen Bauindustrie im Bereich des nachhaltigen (Wieder-)Aufbaus. "Ich denke hier an den Vormarsch von Kreislaufbaulösungen, bei denen Projektentwickler berechnen, wie viele Tonnen CO2 vom Entwurf bis zum Bau freigegeben. Oder auch: die Vorteile der vertikalen Integration, die Bauprojekte verkürzt und die Abhängigkeit von externen Lieferanten verringert. Der Fokus auf Nachhaltigkeitslabels - wie BREEAM und LEED sowie die GRO-Zertifizierung für flämische Regierungsgebäude - ist ebenfalls ein Trend, der zunehmend an Bedeutung gewinnt."  

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