Nach der Trennung von seiner Pkw-Sparte blickt Daimler Truck zuversichtlich in die Zukunft. Was genau die sich rasant verändernde Zukunft für den deutschen Lkw-Hersteller bereithält, machte das Unternehmen durch seinen Vorstandsvorsitzenden während der Veranstaltung Daimler Truckport in der Nähe des Flughafens Zaventem deutlich. Elektro-Lkw - natürlich - aber auch mehr Aufmerksamkeit für die Seufzer der Kunden.
Nächstes Jahr feiert Daimler Truck sein 129-jähriges Bestehen, aber CEO Belux Peter Brock blickt eigentlich gar nicht in den Rückspiegel. In seiner Zukunftsvision spricht er von “speziellen Fahrspuren, die nur autonomen Fahrzeugen zugänglich sind” und “Autobahnen mit mehr als genug Wasserstofftankstellen”. “Wir investieren viel”, sagte Brock, “aber das Wichtigste ist, dass wir es dosiert tun.” Ein weiteres Thema, das in den Hallen des Daimler Truck Ports, wo der Chef mit uns sprach, nicht von der Hand zu weisen war: das Gespenst der geopolitischen Spannungen. Dennoch sieht Brock Chancen. “Denn trotz allem wird der Transportsektor bis 2030 um zwei bis drei Prozent wachsen, und das wird sowohl unserem Geschäft als auch dem der Kunden zugute kommen.”

Im vergangenen Jahr hat Daimler Truck mit seinen weltweit 108.000 Mitarbeitern rund 460.000 Fahrzeuge verkauft. Diese Zahlen bilden die Grundlage, auf der der Hersteller weiterhin ein nachhaltigeres Angebot aufbauen kann. Aber es gibt noch mehr. Brock: “Als Hersteller müssen wir die Kundenerwartungen erfüllen. Wir wollen auch - und vor allem - ein Partner sein, mit dem die Kunden so einfach wie möglich Geschäfte machen können.” Hier gab es noch Verbesserungspotenzial. Deshalb investierte Daimler Truck in ein neu eröffnetes und brandneues Logistikzentrum im süddeutschen Halberstadt. Damit wird die Liefertreue erhöht und die Ausfallzeiten für die Kunden minimiert.
Diese dosierte Investition? Nun, Daimler Truck setzt sein Geld dort ein, wo es gebraucht wird. Als weltgrößter Hersteller von Dieselmotoren ist diese Technologie nach wie vor ein Kernprodukt, aber die Innovationen im Bereich der Antriebsstränge mit Traktionsbatterien im eigenen Haus werden ausgebaut. Bei Wasserstoff ist die Strategie eher eine der Kostenteilung, des Pluralismus und der Geduld. Zu diesem Zweck schließt sich das Unternehmen mit Volvo Trucks zusammen und entwickelt sowohl Wasserstoffverbrennungsmotoren als auch die Brennstoffzellentechnologie. Deren Markteinführung ist für 2029 geplant. “Unsere Produkte sind wichtige Bausteine für den Übergang, und sie sind bereit dafür”, betonte Brock.

Um diese Worte zu untermauern, konnten die Besucher des Daimler Truck Port eine Europapremiere erleben: den neuen vollelektrischen eActros 400, der vom größeren eActros 600 abgeleitet ist. Von ihm übernimmt der mittelgroße Lkw die zweimotorige elektrische Antriebsachse sowie das Vierganggetriebe. Er liefert eine Dauerleistung von 400 kW und eine Spitzenleistung von 600 kW. Da er aber nur zwei statt drei Batteriepakete (414 kWh) mit sich führt, ist er 1,5 Tonnen leichter und kann bis zu 25 Tonnen Nutzlast transportieren, ähnlich wie ein Diesel-Lkw.
Die erneute Wahl des Batterietyps LFP (Lithium-Eisen-Phosphat) markiert für Daimler Truck einen zunehmenden Trend: Diese chemische Verbindung kommt mit wenigen kritischen Rohstoffen aus. Dadurch ist sie preiswerter, was die TCO-Bilanz aufpoliert. Darüber hinaus können die Fahrer auf die Schnellladevorteile einer 800-Volt-Architektur zählen. So lässt sich der 400er über CCS in 46 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen und erreicht mit einer Teilladung eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern. “Ein ZEV-Lkw wird noch einige Zeit teurer bleiben als die Diesel-Alternative. Hier ist politisches Handeln gefragt. Denn bis zum Ende des Jahrzehnts müssen auch in Europa 35.000 Ladestationen aktiv sein”, so Brock abschließend.
