Ein kleines Produkt in einem riesigen Karton, umgeben von Luft und Füllmaterial. Wer regelmäßig online bestellt, kennt dieses Bild. Jahrelang war das die normalste Sache der Welt: mit einer begrenzten Anzahl von Standardkartons zu arbeiten und den verbleibenden Platz aufzufüllen. Packsize kehrt dieses Prinzip um. Nicht der Karton, sondern das Produkt bildet den Ausgangspunkt.
Der Ansatz ist auffallend einfach: Eine Verpackung zu entwickeln, die genau zu dem passt, was darin untergebracht werden soll. Packsize verfolgt dabei zwei Prinzipien: „Box-First“ und „Box-Last“. Bei „Box-First“ werden Produktdaten aus dem WMS genutzt, um im Voraus eine maßgeschneiderte Schachtel herzustellen. Bei „Box-Last“ werden die Produkte tatsächlich auf eine Maschine gelegt, woraufhin ein 3D-Scan die erforderlichen Maße ermittelt. Die Maschine schneidet, faltet und verschließt anschließend sofort den passenden Karton.

Das Ergebnis ist mehr als nur eine kleinere Verpackung. “Weniger Luft bedeutet weniger Karton, weniger Füllmaterial und eine effizientere Nutzung des Transportvolumens”, erklärt Jeroen Brabers von Packsize. Gleichzeitig sinkt der Bedarf an Dutzenden verschiedener Kartonformate. Packsize arbeitet mit sogenanntem ‘Endloskarton’: flache Wellpappe, die auf Paletten angeliefert und von der Maschine zur gewünschten Schachtel verarbeitet wird. Dadurch wird auch die Verpackungsverwaltung erheblich vereinfacht.
Die Automatisierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Vor allem für Unternehmen, die täglich Hunderte bis Tausende von Paketen bearbeiten. Laut Brabers wird die Lösung ab etwa 500 bis 1.000 Kartons pro Tag finanziell interessant, aber auch Arbeitsersparnis, Skalierbarkeit und Lieferkapazität sind wichtige Argumente.” Mit wenig Personal lassen sich große Mengen an Paketen bearbeiten, auch kurz vor dem täglichen Annahmeschluss.”

Die Technologie ist zudem vielseitig einsetzbar. “Die Maschinenpalette reicht von Lösungen für relativ geringe Stückzahlen und Sonderprodukte bis hin zu Systemen, die Hunderte bis über tausend Kartons pro Stunde produzieren”, erklärt Brabers. “Sogar ein Briefkastenformat gehört zu den Möglichkeiten. Das führt nicht nur zu potenziell niedrigeren Versandkosten, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paket direkt zugestellt werden kann.”
Hinzu kommt eine neue Dimension: die Schachtel als Kommunikationsmittel. “Mit On-Box-Printing kann jede Verpackung individuell mit beispielsweise einem Namen, einem Logo oder einer Botschaft versehen werden. So wird ein unverzichtbarer Bestandteil der Logistik plötzlich zu einem Teil des Kundenerlebnisses”, sagt Brabers.

Die Herstellung maßgeschneiderter Kartons ist aktueller denn je. “Verpackungen stehen heutzutage im Fokus”, weiß Brabers. “Die europäische PPWR-Verordnung zielt unter anderem auf Nachhaltigkeit, recycelte Materialien und die Reduzierung von überflüssigem Verpackungsvolumen ab. Ab 2030 dürfen gemäß der Verordnung nicht mehr als 50 Prozent überschüssige Luft versendet werden. Es ist also dringend ratsam, sich schon jetzt darauf vorzubereiten.”
Brabers fasst zusammen: “Warum sollte man eine Standardverpackung an sein Produkt anpassen, wenn man auch das Produkt selbst als Ausgangspunkt nehmen kann? So wird die Verpackung nicht länger ein notwendiges Übel, sondern ein automatisierter Bestandteil eines effizienteren, nachhaltigeren und intelligenteren Logistikprozesses.”