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Besuch im KION Automation Center Antwerpen

Besuch im KION Automation Center Antwerpen

Wo Automatisierung nicht mehr ein fernes‘ Versprechen, sondern tägliche Praxis ist

Auf Einladung von Motrac - Importeur und Distributor von Linde Staplern und Lagertechnikgeräten in den Benelux-Ländern und seit mehr als 50 Jahren in der Intralogistik tätig - durften wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des KION Automation Center in Antwerpen werfen. Was dort auffällt: Automatisierung wird hier nicht als Zukunftsvision verkauft, sondern gebaut, getestet und vor allem hinterfragt, bis sie funktioniert.

Wer heute über Intralogistik-Automatisierung spricht, kommt an Antwerpen nicht vorbei. Seit Oktober 2024 beherbergt das KION Automation Center Antwerpen sowohl KION Automated Solutions EMEA als auch Dematic unter einem Dach. Auf einem 11.800 m² großen Gelände arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter aus über 40 Nationen an der Entwicklung, Montage und Validierung von Automatisierungslösungen, die international ausgerollt werden.

Diese Größe und Konzentration machen sofort klar: Dies ist kein Ausstellungsraum, sondern eine Betriebsstätte, in der Technik, Software, Tests, Schulung und Montage zusammenkommen.

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Drei Gleise unter einem Dach

Beim Rundgang durch die Halle wird deutlich, wie vielfältig die Angebote sind, die hier zusammenkommen. Grob gesagt basiert das Automation Center auf drei Säulen:

  1. Hybrid-Automatisierung: manuelle Stapler, die mit einem Automatisierungspaket ausgestattet sind.
  2. Reine AGVs: vollständig selbst entwickelte Fahrzeuge, die nicht mehr manuell eingesetzt werden.
  3. Integration und Standortausrüstung: alles, was erforderlich ist, damit Fahrzeuge sicher und effizient mit anderen Systemen und Menschen interagieren können.

Bemerkenswert dabei: Die Montage ist nur ein Teil des Ganzen. Mindestens genauso wichtig ist die Testumgebung, in der komplette Kundenlayouts simuliert und Fahrzeuge mit echten Lasten getestet werden. Nicht auf Basis von Annahmen, sondern wie sich Paletten, Rollen oder Container in der Realität verhalten.

Kein ‘Schaufenster’, sondern ein ‘nützlicher Koffer’

Im internen Lager des Automationszentrums wird bewusst ein einfacher, realistischer Ablauf gewählt. Paletten werden etikettiert, kommissioniert, kontrolliert und eingelagert. Und umgekehrt: zurückgenommen und entsorgt.

Die Botschaft ist klar: Automatisierung muss nicht groß und komplex sein. Selbst bei etwa 200 Palettenplätzen kann die Automatisierung eine Amortisationszeit von eineinhalb bis zwei Jahren erreichen. Durch Zeitersparnis, reduzierte Laufwege und bessere Auslastung der Mitarbeiter.

Akzeptanz am Arbeitsplatz

Ein immer wiederkehrendes Thema während des Besuchs ist die menschliche Akzeptanz. Automatisierung funktioniert nur dann wirklich, wenn die Mitarbeiter damit arbeiten wollen. Deshalb werden die Lagerarbeiter und Techniker frühzeitig in die Projekte eingebunden.

Manchmal hilft auch etwas Einfaches: die Benennung von Fahrzeugen. In Antwerpen heißen sie zum Beispiel ‘Betty’ und ‘Marcel’. Das klingt unbeschwert, aber es senkt die Hemmschwelle, über sie zu sprechen und ihnen zu vertrauen. Denn die Automatisierung nimmt selten Arbeitsplätze weg, sondern verändert sie. Wenn man das nicht erklärt, erzeugt man Widerstand.

Enge Gänge, hohe Regale und neue Generationen

Auch in den Schmalganglagern schreitet die Automatisierung voran. In Antwerpen werden mehrere Generationen von VNA-Fahrzeugen getestet, darunter auch Modelle, die bald in größerem Umfang im Netz verfügbar sein werden.

Technisch gesehen wird keine Standardlösung gewählt. Je nach Palettentyp, Folie, Beladung und Umgebung werden 3D-Kameras oder 2D-Scanner eingesetzt. Letztere sind in komplexen Situationen robuster, während 3D-Kameras Geschwindigkeit und Präzision für Standardladungen bieten.

Ein oft ‘vergessener’ Erfolgsfaktor: der Boden!

Die vielleicht am meisten unterschätzte Lektion des Besuchs: der Boden. Bei einer Automatisierungshöhe von bis zu 10, 14 oder sogar 16 Metern macht sich jeder Millimeter Abweichung bemerkbar.

Deshalb wird bei KION nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die Automatisierung bereits in der Entwurfsphase eines Gebäudes berücksichtigt werden sollte. Ein Boden, der für manuelles Fahren ‘gut genug’ ist, kann für FTS katastrophal sein. Wer dies zu spät erkennt, muss im schlimmsten Fall mit erheblichen Mehrkosten rechnen.

Mehr als nur Technologie

Was das KION Automation Center Antwerpen vor allem zeigt, ist, dass Automatisierung kein Produkt, sondern ein Prozess ist. Sie erfordert technisches Wissen, Software-Integration, realistische Tests - und vor allem Aufmerksamkeit für Menschen und Kontext.

Unabhängig davon, ob es sich um große multinationale Unternehmen oder um KMU handelt, die zaghaft mit einem einzigen Fahrzeug beginnen, bleibt der gemeinsame Nenner derselbe. Automatisierung funktioniert nur dann wirklich, wenn sie auf die Realität des Lagers zugeschnitten ist. Und genau diese Realität ist das Herzstück von Antwerpen.

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