[00:00] Sicherheit am Arbeitsplatz
Roel van Gils: Eine umgestoßene Registrierungssäule im Wert von 10.000 Euro, ein Regal, das fast in zwei Hälften gerissen wurde, ein Gabelstaplerfahrer, der einen Kollegen nur knapp verfehlt hat. Das sind keine Ausnahmen. Jeden Tag kommt es in Lagern, Distributionszentren und industriellen Umgebungen zu Situationen, die erhebliche Folgen für Menschen, Maschinen und den Betriebsfortbestand haben können.
Roel van Gils: In dieser Folge von Zwischen den Stellungen Wir sprechen über Sicherheit am Arbeitsplatz. Warum nehmen die Risiken zu? Welche Rolle spielen Automatisierung, Arbeitskräftemangel und das Wachstum im Logistikbereich? Und vor allem: Wie lassen sich Unfälle verhindern, bevor sie passieren?
Roel van Gils: Zu Gast an meinem Tisch: Camiel van Asch von Flexbarrier. Camiel, herzlich willkommen.
Camiel van Asch: Vielen Dank.
Roel van Gils: Stell dich doch bitte kurz vor.
Camiel van Asch: Ja, gerne. Mein Name ist Camiel van Asch. Ich bin Geschäftsführer und Inhaber von Flexbarrier. Flexbarrier ist ein Unternehmen, das im Bereich des Aufprallschutzes und einer Reihe verwandter Produkte tätig ist. All dies mit dem Ziel, den Arbeitsplatz sicherer zu machen, Schäden zu vermeiden und Unfälle zu verhindern. Wir sind vor allem in der Logistik und in der Industrie tätig, sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien. Das ist im Grunde unser Schwerpunkt. Jeden Tag.
[01:08] Schäden und unsichere Situationen in der Praxis
Roel van Gils: Okay. Ihr seid also täglich bei solchen Unternehmen zu Gast. Was erlebt ihr dort so? Könnt ihr ein paar Beispiele nennen?
Camiel van Asch: Ja, genug. Ich fange schon an zu lächeln. Ich werde auch keine Namen nennen. An manchen Orten in den Niederlanden ist es sehr sicher und gut organisiert. Die Menschen sind stolz auf das Unternehmen, in dem sie arbeiten. Sie achten auf ihre Kollegen, auf die Materialien, den Lagerbestand, die Regale, die Säulen und das Gebäude. Vor allem, wenn es neu ist.
Camiel van Asch: Je mehr dieses Engagement nachlässt – zum Beispiel, wenn der Anteil der Zeitarbeitskräfte steigt und die Bindung an das Unternehmen abnimmt –, desto mehr Schäden treten auf. Das ist eigentlich genau wie bei Ihrem eigenen Haus oder Auto: Wenn diese nicht mehr so schön aussehen, gehen Sie oft weniger sorgfältig damit um. Genauso funktioniert es auch in der Logistik und in der Industrie. Dann stellt man fest, dass die Zahl der Schäden und manchmal auch die Zahl der Unfälle einfach zunimmt. Das erleben wir täglich, in den unterschiedlichsten Varianten.
Roel van Gils: Hast du dazu ein paar Beispiele?
Camiel van Asch: Aber sicher. Ich mache immer Vorher- und Nachher-Fotos. Aus den „Vorher“-Fotos könnte ich eine ganze Sammlung zusammenstellen. Manchmal sind ganze Durchgänge herausgerissen worden. Manchmal sieht man, dass die Gabeln eines Gabelstaplers über dem Durchgang quer durch die Wand gedrungen sind. Da fragt man sich wirklich: Wie war das überhaupt möglich?
Camiel van Asch: Wenn so eine Säule das Gebäude noch stützen muss, dann möchte ich eigentlich so schnell wie möglich wieder draußen sein.
Camiel van Asch: Das Gleiche sieht man auch bei Stellungen. Manchmal sind diese halb gebrochen.
Roel van Gils: Die werden dann sozusagen noch kurz abgestützt.
Camiel van Asch: Ja, die ersten Schritte werden zwar unternommen. Aber eigentlich weiß man: Das muss einfach ersetzt werden. Manchmal wartet man noch ab, ob es bei einer Prüfung auffällt.
Camiel van Asch: Man sieht auch Situationen, in denen jemand am Arbeitsplatz hinter einem Schreibtisch sitzt, während um ihn herum ständig EPTs und Gabelstapler herumfahren. Dann denke ich: Ich selbst würde dort nicht sitzen wollen, wenn ich wüsste, dass all diese innerbetrieblichen Transportbewegungen direkt hinter mir stattfinden. Genau das sind die Situationen, die uns auffallen.
[04:07] Bewusstsein für Sicherheitsrisiken
Roel van Gils: Wir können solche Situationen angehen, aber sind sich die Unternehmen dieser Risiken überhaupt bewusst?
Camiel van Asch: Ja, durchaus. Das Schöne daran ist, dass ich oft gemeinsam mit dem Lagerleiter oder dem Standortleiter einen Rundgang mache. Oft sind sie sich einer Reihe von Risiken durchaus bewusst. Die Frage ist natürlich: Ist Sicherheit auch wirklich ein wichtiges Thema innerhalb des Unternehmens? Die meisten Unternehmen setzen Sicherheit ganz oben auf ihre Prioritätenliste. Die Frage ist dann: Inwieweit setzen sie dies auch tatsächlich um?
Camiel van Asch: Man kann zwar sagen: Sicherheit ist hier extrem wichtig. Aber dann muss man auch etwas dafür tun. Das merke ich, wenn ich gemeinsam mit einem solchen Standortleiter oder Lagerleiter durch das Gebäude gehe. Dann weiß ich schnell, wie wichtig ihm das wirklich ist. Ich spüre auch, ob dafür Mittel zur Verfügung stehen. Oft stelle ich fest, dass er sich bereits Gedanken über eine Reihe von Situationen gemacht hat. Das ist für uns der Moment, in dem wir die Sache vorantreiben können.
Camiel van Asch: Bei so einer Runde fallen uns auch noch genügend Situationen auf, die ihm entgangen sind. Das ist dann der Mehrwert unserer Beratung. Dann können wir darüber diskutieren. Ich sage zum Beispiel: “Ist dir bewusst, dass dort jemand hinter einem Schreibtisch sitzt?” Vielleicht stand diese Situation nicht auf seiner Liste, aber ich würde sie darauf setzen. Anschließend kann er selbst entscheiden, was er damit macht.
Roel van Gils: Aber du hast ihn doch bemerkt.
Camiel van Asch: Ja, genau. Das ist mir aufgefallen. In den Niederlanden hängt es auch ein wenig von der Art des Unternehmens ab. Manchmal handelt es sich um Unternehmen mit einer amerikanischen Muttergesellschaft. Dann ist Sicherheit unglaublich wichtig, vor allem angesichts der Risiken und auch der möglichen finanziellen Folgen. Dann spielt das Budget oft überhaupt keine Rolle oder ist zumindest viel weniger wichtig. Es muss einfach sicher sein.
Camiel van Asch: Andere Unternehmen, insbesondere in der Logistikbranche, arbeiten mit minimalen Gewinnspannen. Alles muss schnell, schnell und effizient ablaufen. Dann bleibt manchmal weniger Spielraum und Budget für das Thema Sicherheit, da der Betrieb so effizient wie möglich laufen muss.
[06:17] Ursachen für Schäden
Roel van Gils: Was sind häufig die Ursachen für solche Missstände?
Camiel van Asch: Das hängt vor allem mit den Kräften zusammen, die beim innerbetrieblichen Transport freigesetzt werden. Bei einem Handhubwagen hält sich das noch in Grenzen. Sobald es sich jedoch um einen Gabelstapler handelt, werden enorme Kräfte freigesetzt. Das Gewicht des Transportmittels, das Gewicht des Fahrers und das Gewicht der Ladung kommen dabei zusammen.
Camiel van Asch: Wenn ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von sechs, zehn, zwölf oder sogar fünfzehn Kilometern pro Stunde irgendwo gegenfährt, ist der Aufprall einfach enorm. Darin liegt die Ursache für viele Schäden. Das wird immer so bleiben. Solange innerbetrieblicher Transport stattfindet – sei es drinnen oder draußen –, besteht Gefahr. Im Außenbereich sind das oft Lkw oder Lieferwagen, aber solange Bewegung herrscht, besteht ein Risiko.
[07:30] Die Automatisierung verschärft die Herausforderungen
Roel van Gils: Das klingt aber so, als würde die Sicherheit immer größere Herausforderungen mit sich bringen.
Camiel van Asch: Auf jeden Fall. Je mehr automatisiert wird, desto deutlicher zeigt sich das auch in Lagerhäusern und Fabriken. Dort stehen Maschinen und automatisierte Systeme, in die große Investitionen getätigt wurden. Es gibt immer eine Grenze zwischen dem Bereich, in dem interne Transportfahrzeuge verkehren, und dem automatisierten Bereich.
Camiel van Asch: Diese beiden dürfen sich niemals berühren. Sollte dies dennoch geschehen und jemand in den automatisierten Bereich einfahren, sind die Folgen unabsehbar. Dann kommt der gesamte Betrieb zum Erliegen, ganz abgesehen von den enormen Schäden am automatisierten System.
[08:19] Was die besten Unternehmen anders machen
Roel van Gils: Du hast bereits zu Beginn angemerkt, dass es große Unterschiede zwischen den Unternehmen gibt. Was machen die besten Unternehmen anders?
Camiel van Asch: Die sorgen für Ordnung und Sauberkeit. Ohne gleich auf das 5S-Modell Bezug zu nehmen – zu dem auch das „S“ für „Safety“ gehört –, merkt man, dass Sicherheit dort wirklich großgeschrieben wird. Das spiegelt sich auch am Arbeitsplatz wider. An den Wänden hängen Hinweisschilder, es gibt morgendliche Besprechungen, in denen das Thema Sicherheit besprochen wird, und überall im Gebäude sieht man eine klare Struktur.
Camiel van Asch: Ein aufgeräumter Raum bedeutet nicht automatisch, dass er sicher ist. Aber am Arbeitsplatz, in einem Lager oder in einer Fabrik stelle ich fest, dass Ordnung und Sauberkeit den Menschen ein Gefühl der Ruhe vermitteln. Wenn man diese Struktur dann noch durch Markierungen und Anfahrschutz unterstützt, entsteht noch mehr Übersichtlichkeit. Dann sieht man Unternehmen, die ihre Angelegenheiten wirklich im Griff haben.
Camiel van Asch: In Unternehmen, in denen das nicht der Fall ist, herrscht im Lager oft einfach nur Chaos. Und dann sieht man auch, dass das Risiko von Schäden steigt. Wenn die Mitarbeiter sorgsam mit den Sachen umgehen, bleibt alles ordentlich. Ist das nicht der Fall, fangen die Probleme an.
Roel van Gils: Sicherheit ist also nicht nur ein Kostenfaktor. Man muss sie auch organisatorisch gut geregelt haben.
Camiel van Asch: Ja, auf jeden Fall.
[10:00] Von der Bestandsaufnahme zur Beratung
Roel van Gils: Ihr liefert nicht nur Produkte, wie du gesagt hast. Ihr begleitet komplette Projekte. Wie funktioniert das? Wie läuft das ab?
Camiel van Asch: Man muss es so sehen: Irgendwann nehmen wir Kontakt zu einem Unternehmen auf oder werden von diesem angesprochen. In neun von zehn Fällen schlagen wir vor: Lassen Sie uns zunächst vor Ort vorbeischauen. Dann können wir uns ein Bild von der Situation machen und ein Gefühl dafür bekommen. Man sieht die Abläufe, man sieht, ob auf der Arbeitsfläche viel los ist oder ob es eher ruhig zugeht. Man sieht, ob sich wertvolle oder empfindliche Gegenstände im Gebäude befinden.
Roel van Gils: Ja, also die erste Bestandsaufnahme.
Camiel van Asch: Ja, das stimmt. Wir nennen das einfach einen Standortbesuch. Wir besuchen ein Lager oder eine Fabrik und machen gemeinsam einen Rundgang. Anschließend können wir bereits eine erste Empfehlung aussprechen. Dann sagen wir zum Beispiel: Ziehen Sie doch einmal Lösung A oder Lösung B in Betracht. All das tragen wir zusammen und erstellen auf dieser Grundlage eine Zusammenfassung in Form einer Präsentation.
Camiel van Asch: Diese Präsentation verknüpfen wir mit einem Angebot. Während dieser Präsentation zeige ich, was mir alles aufgefallen ist. Angenommen, ich habe zwanzig Situationen festgestellt – das bedeutet nicht, dass der Kunde für alle zwanzig ein Angebot haben möchte. Der Kunde legt dabei selbst die Prioritäten fest. Vielleicht sagt er: „Das hier machen Sie bitte, das andere vorerst noch nicht.“ Letztendlich berücksichtigen wir das dann in der endgültigen Empfehlung und im endgültigen Angebot.
Roel van Gils: Ja.
Camiel van Asch: Das bedeutet also, dass wir mit einer Beratung beginnen. Wir tauschen uns gemeinsam mit dem Kunden aus. Ich sage immer: Wir machen das gemeinsam. Es ist nicht meine Sache, sondern unsere Sache. Sicherheit ist das, womit wir uns jeden Tag beschäftigen, aber ab diesem Moment ist es auch eine Sache des Kunden.
Roel van Gils: Konzentrieren Sie sich dabei ausschließlich auf Ihre Produkte oder bieten Sie auch eine umfassendere Beratung an?
Camiel van Asch: Ja, auf jeden Fall. Wenn es über unsere Produkte hinausgeht, scheuen wir uns auch nicht, darauf hinzuweisen. Manchmal gibt es Themen, mit denen wir uns nicht befassen, aber wir weisen dennoch darauf hin. Mittlerweile haben wir eine Reihe von Partnern und Kontakten, an die wir weiterverweisen können. Dann tauschen wir Telefonnummern aus und sagen: Wenden Sie sich doch einmal an diesen Ansprechpartner. Letztendlich bestehen unsere Dienstleistungen aus einer Beratung in der Vorbereitungsphase. Wenn es zu einem Auftrag kommt, machen wir daraus ein Projekt und setzen es von A bis Z um. Dazu gehört auch die Montage, wenn der Kunde das wünscht. Ein Kunde kann das auch selbst erledigen, wenn er dafür Personal und Zeit hat. Andernfalls kümmern wir uns darum.
[12:44] Markierungen als Bestandteil der Sicherheit
Camiel van Asch: Auch die Markierungstechnik spielt in unserem Unternehmen eine immer größere Rolle. Markierungen und Anfahrschutz sind eng miteinander verbunden. Es gibt Laufwege, die mit Anfahrschutz ausgestattet werden. Diese schließen manchmal an einen Zebrastreifen an, den Menschen überqueren müssen. So sorgen wir für Klarheit, Ordnung, Sichtbarkeit und Struktur am Arbeitsplatz.
Roel van Gils: Aber am liebsten würdet ihr auch den Schnitt übernehmen?
Camiel van Asch: Nein, wir versuchen einfach, das in den Griff zu bekommen. Bei jedem Kunden ist das eine Option. Natürlich möchten wir gerne etwas verkaufen, aber ich verkaufe nur dann etwas, wenn du das auch willst.
Roel van Gils: Warum ist dieser letzte Schritt, der Schnitt, so wichtig?
Camiel van Asch: Weil wir professionelle Monteure beschäftigen, die wissen, wie man vor Ort mit dem Kunden kommuniziert. Wir stellen oft fest, dass sich die Situation zwischen dem Zeitpunkt der Bestellung und dem Zeitpunkt der Montage geändert hat. Unser Monteur ist manchmal mehrere Tage vor Ort und bemerkt dann wiederum andere Dinge. Dann kann es vorkommen, dass wir die ursprüngliche Planung noch anpassen.
Roel van Gils: Wirklich?
Camiel van Asch: Ja. Das wird dann vor Ort ausgearbeitet. Wir passen es vor Ort an und setzen es um. Das wissen die Kunden zu schätzen.
[14:23] Markierung oder Anfahrschutz
Roel van Gils: Sie haben bereits einige Produkte genannt: Anfahrschutz und Markierungen. Welche Lösungen kommen am häufigsten zum Einsatz?
Camiel van Asch: Für alles gibt es ein Budget. Manchmal kann man schon mit einer Markierung, die günstiger ist als eine Anfahrsicherung, ein gewisses Maß an Sicherheit schaffen. Man kann Bereiche auf dem Boden markieren, von denen man sagt: Hier darf nichts mehr stehen. Aber es bleibt eine Fläche. Darauf kann immer etwas abgestellt werden.
Roel van Gils: Klar.
Camiel van Asch: Glauben Sie mir eines: Wenn Platz benötigt wird, stellen sie dort einfach etwas hin. Bis man einen Anfahrschutz anbringt. Dann geht das einfach nicht mehr. Damit geht man also einen Schritt weiter, um die Situation zu steuern und zu sichern. Dazu gehört natürlich ein größeres Budget. So kannst du, je nach Produkt oder Lösung, die wir anbieten, die Sicherheit Schritt für Schritt erhöhen.
Roel van Gils: Ja, das verstehe ich.
Camiel van Asch: Damit erhöht man natürlich auch die Sicherheit erheblich.
Roel van Gils: Das stimmt.
[15:33] Stahl oder Kunststoff?
Roel van Gils: Und im Bereich des Aufprallschutzes habe ich erfahren, dass Kunststoff an Boden gewinnt.
Camiel van Asch: Ja, das stimmt. Sehen Sie, ich unterscheide immer zwischen drinnen und draußen. Und je nachdem, wo wir uns gerade befinden, schauen wir: Okay, was passiert hier eigentlich? Welche Art von Fahrzeugen fährt draußen? Sind es Lkw oder Kastenwagen? Fahren die Gabelstapler auch draußen? Das ist auch noch die Frage.
Camiel van Asch: Wir schauen uns auch vor Ort an, welche Fahrzeuge dort im Einsatz sind. An bestimmten Stellen fahren ausschließlich handbetriebene Pumpwagen. Diese haben eine deutlich geringere Auswirkung als ein Gabelstapler oder ein Schubmaststapler. Wir prüfen also immer zuerst, was an diesem Ort vor sich geht. Was ist hier die beste Lösung?
Roel van Gils: Ja, aber aus Stahl oder aus Kunststoff?
Camiel van Asch: Ja. Wenn man sich die Anforderungen ansieht und darauf achtet, was drinnen oder draußen fährt, stellt man fest, dass wir im Außenbereich oft eine Lösung aus Stahl wählen, gegebenenfalls in Kombination mit Beton.
Roel van Gils: Eigentlich wegen des höheren Gewichts.
Camiel van Asch: Stimmt. Weil die Aufprallkraft dort einfach größer ist. Bei Stahl gibt es viele verschiedene Festigkeitsstufen. Einen Anfahrpfosten aus Stahl kann man sogar noch mit Beton ausfüllen. Dann hat man wirklich eine solide Lösung für Lkw.
Camiel van Asch: Im Innenbereich wurde traditionell häufig Stahl verwendet. Heutzutage ist ein deutlicher Trend hin zu Kunststoff zu beobachten. In bestehenden Gebäuden wird Stahl immer häufiger durch Anfahrschutz aus Kunststoff ersetzt. Dieser ist flexibel, absorbiert die Wucht eines Aufpralls und sorgt für weniger Schäden sowohl am Anfahrschutz als auch am internen Transportmittel.
Camiel van Asch: Dieser Trend ist also in bestehenden Gebäuden zu beobachten, aber auch Neubauten werden immer häufiger direkt mit Anfahrschutz aus Kunststoff ausgestattet. Man denkt sich dann: Lasst uns von Anfang an die richtige Variante einsetzen.
Roel van Gils: Denn auch da gibt es verschiedene Abstufungen.
Camiel van Asch: Ja, auf jeden Fall.
Roel van Gils: Und somit auch weniger Folgeschäden.
Camiel van Asch: Ja.
[18:15] Sicherheitszäune
Roel van Gils: Okay. Du hast von Linienführung gesprochen. Wir haben über Anfahrschutz gesprochen. Baut ihr auch Sicherheitszäune?
Camiel van Asch: Ja. Maschinensicherheit.
Roel van Gils: Damit man nicht hineingehen kann.
Camiel van Asch: Ja. Das sind Gitterzäune, durch die man eigentlich nicht mit der Hand greifen kann. Man darf sich der Maschine nicht nähern, aus welchem Grund auch immer. In der Industrie ist das bereits ein vertrauter Anblick. In Fabriken sieht man das häufig.
Camiel van Asch: Auch in Lagerhallen sieht man das immer häufiger. Es gibt immer mehr Bereiche innerhalb eines Lagers, die gesichert werden müssen. Mit Sicherheitszäunen, einer Tür, einem Sicherheitssystem und beispielsweise einem Ausweisleser schaffen wir sozusagen einen Käfig oder einen abgetrennten Bereich innerhalb eines Lagers. Auf diese Weise können Waren sicher gelagert werden.
Camiel van Asch: Das sieht man immer häufiger, da ein Lager oft verschiedene Arten von Produkten enthält, die zudem unterschiedliche Werte haben.
Roel van Gils: Okay, aber gilt das auch für eine Trennung zwischen beispielsweise mehreren Mietern?
Camiel van Asch: Auch das kommt vor. Jemand hat zum Beispiel ein Lagerhaus mit einer Fläche von 50.000 Quadratmetern gebaut. Das wird oft mit Blick auf zukünftiges Wachstum erworben. Es kommt selten vor, dass diese gesamten 50.000 Quadratmeter sofort benötigt werden. Vielleicht bleiben vorerst noch 10.000 oder 20.000 Quadratmeter übrig.
Camiel van Asch: Dann kann man ganz schön sagen: Die Ladentore 1 bis 12 gehören uns, und die Ladentore 13 bis 18 vermieten wir, einschließlich des dahinter liegenden Lagerraums. Dann stellen wir eine Gitterwand als Trennwand auf. Diese kann man später auch wieder einfach entfernen oder an anderer Stelle wiederverwenden. So schafft man eine schöne Abtrennung zwischen Partei A und Partei B.
[20:31] Kippgitter auf Zwischenetagen
Roel van Gils: Und schließlich haben wir noch die Klapptore.
Camiel van Asch: Ja, die sieht man oft auf einem Zwischengeschoss.
Roel van Gils: Ja.
Camiel van Asch: Manchmal sieht man auch Zwischenböden, bei denen diese fehlen. Dann frage ich mich: Wie stellen sie hier eine Palette darauf und wie nehmen sie sie wieder herunter? Wer oben steht, ist dann nicht sicher. Der schaut einfach in ein klaffendes Loch hinunter.
Camiel van Asch: Auch hier sieht man also noch Risiken, bei denen ich denke: Das könnte wirklich anders oder besser gemacht werden. Man kann mit verschiebbaren Systemen arbeiten, eventuell automatisiert. Man kann die Mitarbeiter mit Absturzsicherungen ausstatten. Und man kann ein Kippgitter anbringen.
Camiel van Asch: Durch dieses Kippgitter wird stets eine sichere Situation geschaffen. Die Palette kann sicher abgestellt werden, während die Person, die auf dem Zwischengeschoss arbeitet, geschützt bleibt. Sie kann dank des Kippgitters niemals nach unten fallen. Auch das ist eine Möglichkeit, die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen.
Roel van Gils: Und das sind im Grunde genommen eure vier Produktkategorien.
Camiel van Asch: Ja. Die größte Kategorie ist der Anfahrschutz, danach folgen die Markierungsstreifen und schließlich die übrigen Kategorien. Außerdem schauen meine Kollegen und ich uns gelegentlich auch in Lagerhallen und Fabriken nach anderen Produkten um. Warum? Weil es neue Entwicklungen gibt.
Camiel van Asch: Ein Beispiel dafür ist die LED-Projektion. Dabei handelt es sich nicht um Linien, die mit Farbe aufgemalt werden, sondern um Linien, die von der Decke projiziert werden. Man hängt einen LED-Projektor an die Decke, der dann beispielsweise Linien oder einen Zebrastreifen auf den Boden projiziert.
[23:14] Innovation: Sensoren und intelligente Erkennung
Roel van Gils: Das ist vielleicht eine gute Überleitung. Wenn wir uns nun die Weiterentwicklung bestehender Produkte ansehen, gibt es da noch große Neuerungen?
Camiel van Asch: Ja. Wenn man über Anfahrschutz spricht, der traditionell aus Stahl besteht, dann gibt es auf jeden Fall einen Trend hin zu Kunststoff. Kunststoff hat gegenüber Stahl eine Reihe von Vorteilen. Das hängt vor allem mit der Flexibilität und der Stoßdämpfungsfähigkeit zusammen.
Camiel van Asch: Was man außerdem beobachten kann – und das ist bei Stahl noch nicht so sehr der Fall, bei Kunststoff hingegen schon –, ist, dass Sensoren in den Pfosten zum Einsatz kommen. Es gibt einen Aufprallschutz, bei dem ein Sensor im Pfosten eingebaut ist. Damit lässt sich feststellen, wo die meisten Zusammenstöße stattfinden.
Roel van Gils: Die größte Wirkung.
Camiel van Asch: Ja, wo sich die kritischen Stellen befinden und wo also gegen diese Anfahrsicherung gefahren wurde. So erhält man gewissermaßen eine Heatmap der Stellen, an denen die meisten Zusammenstöße stattfinden.
Roel van Gils: Da liegt der Kritikpunkt.
Camiel van Asch: Genau. Außerdem kann man auch eine Heatmap der Verkehrsbewegungen erstellen. Dann sieht man alle befahrenen Routen. Anschließend kann man sich fragen: Sollte ich mir diese Ecke vielleicht einmal genauer ansehen, im Hinblick auf die Menschen, die dort arbeiten oder sich dort aufhalten? Habe ich die Situation dort sicher genug gestaltet?
Camiel van Asch: Man sieht auch immer häufiger, dass verschiedene Technologien kombiniert werden. Wir haben zum Beispiel eine Lösung realisiert, bei der entlang eines Fußwegs eine Anfahrsicherung vorhanden ist und ein Zebrastreifen mittels LED-Projektion angezeigt wird. Solange kein Gabelstapler kommt, sieht man den Zebrastreifen und kann über ein Zugangstor die Straße überqueren.
Camiel van Asch: Wenn sich ein Gabelstapler nähert, verschwindet der Zebrastreifen automatisch und das Tor wird verriegelt. Das alles funktioniert über Sensoren. Man muss dann warten, bis der Gabelstapler vorbeigefahren ist. Man kann das System auch umgekehrt einstellen, sodass der Fußgänger Vorrang erhält.
Camiel van Asch: Man sieht also immer häufiger, dass Technik mit traditionellen Formen des Anfahrschutzes kombiniert wird. Diese Kombination mit Sensoren nimmt deutlich zu.
Roel van Gils: Das sieht man wirklich immer öfter.
Camiel van Asch: Ja.
[25:50] Warum Kunststoff immer häufiger bevorzugt wird
Roel van Gils: Bei einer Anfahrschutzvorrichtung aus Stahl sieht man natürlich, wenn sie beschädigt wurde. Bei einer aus Kunststoff vielleicht weniger?
Camiel van Asch: Das stimmt. Bei Stahl sieht man den Schaden sofort. Bei Kunststoff viel weniger.
Roel van Gils: Dann stellt sich natürlich auch die Frage: Inwieweit ist die Sicherheit noch gewährleistet?
Camiel van Asch: Sobald jemand eine Anfahrsicherung aus Stahl kräftig trifft, ist diese praktisch abgeschrieben. Es entsteht eine Verbiegung, es bilden sich Beulen, die Verankerungen können sich lösen und manchmal kommt es sogar zu Schäden am Boden. Sie steht dann vielleicht zwar noch da, erfüllt aber eigentlich ihre Funktion nicht mehr.
Camiel van Asch: Das sehe ich sehr oft. Dann gehe ich an so einem Zaun vorbei und trete einmal dagegen. Dem Kunden gefällt das meistens nicht so gut, aber ich frage dann: Willst du das so stehen lassen oder soll ich es in den Kostenvoranschlag aufnehmen? Dann lachen wir gemeinsam darüber, aber er weiß auch, dass er etwas dagegen unternehmen muss.
Camiel van Asch: Kunststoff ist dann eine gute Lösung. Der ist viel flexibler als Stahl. Natürlich nicht unbegrenzt flexibel, denn letztendlich muss das Transportmittel ja aufgehalten werden.
Roel van Gils: Letztendlich muss es seine Stärke bewahren.
Camiel van Asch: Genau. Außerdem verursacht Kunststoff deutlich weniger Schäden am Transportmittel. Man kann das mit einem Auto vergleichen, das an einer Leitplanke entlangschrammt. Man sieht sofort die Schäden sowohl an der Leitplanke als auch am Auto.
Camiel van Asch: Das Gleiche gilt für einen Gabelstapler. Ich komme an Standorte, an denen die Gabelstapler in einem miserablen Zustand sind. Ein solcher Gabelstapler hat natürlich auch einen beträchtlichen Wert. Wenn man ihn später in Zahlung geben möchte, wird ein Käufer auch sehen, dass er schon einiges mitgemacht hat.
Roel van Gils: Der hat einiges durchgemacht.
Camiel van Asch: Ja, der hatte ein gutes Leben. Das bedeutet also auch eine zusätzliche Abschreibung auf Ihr Transportmittel. Auf diese Weise macht sich der Kunststoff-Aufprallschutz im Vergleich zu Stahl bezahlt.
Roel van Gils: Und wie sieht es mit der Lebensdauer von Kunststoff aus?
Camiel van Asch: Das ist hervorragend. Bei Stahl kommt es oft vor, dass ein komplettes Zaunelement oder ein kompletter Pfosten nach einem Aufprall verschrottet werden muss. Bei Kunststoff sind oft nur einzelne Teile beschädigt. Man muss dann nicht alles ersetzen. Man bestellt nur die beschädigten Komponenten und versetzt das System mit einer Kombination aus vorhandenen und neuen Teilen wieder in den ursprünglichen Zustand.
Roel van Gils: Das ist auch noch nachhaltiger.
Camiel van Asch: Das stimmt. Obwohl es sich um Kunststoff handelt und die Leute damit manchmal ein weniger nachhaltiges Bild verbinden, versuchen wir gerade auf diese Weise, es so nachhaltig wie möglich zu gestalten.
[28:51] Wie sieht das sichere Lager der Zukunft aus?
Roel van Gils: Okay. Und wenn wir nun einen Blick in die Zukunft werfen: Wie sieht deiner Meinung nach ein sicheres Lager aus?
Camiel van Asch: Damit komme ich eigentlich wieder auf das zurück, worüber wir zuvor gesprochen haben. Letzte Woche war ich noch bei einem Kunden, der sich damit sehr gut auskennt. Wir haben dort ein umfangreiches Angebot für ein bestehendes Lager abgegeben, das derzeit eigentlich ein ziemliches Durcheinander ist.
Camiel van Asch: Der Lagerleiter wird dort für Struktur sorgen. Damit komme ich wieder auf das 5S-Modell zurück – oder welche Theorie man auch immer anwendet. Sorge für Ordnung, Sauberkeit, Ruhe, Übersicht und Sicherheit.
Camiel van Asch: Dieser Lagerleiter hatte das gut verstanden. Er legte der Geschäftsleitung dar, dass die Produktivität steigen kann, wenn das Lager aufgeräumter und besser strukturiert wird. Man muss zum Beispiel seltener nach Paletten suchen. Es entstehen weniger Schäden, und die Mitarbeiter müssen weniger unnötige Bewegungen ausführen, unabhängig davon, ob sie durch Automatisierung unterstützt werden oder nicht.
Camiel van Asch: Die Suche nach einer Palette kostet Zeit. Der Lkw wartet, der Fahrer steht bereit und die Ladung muss raus. Wenn man das besser in den Griff bekommt, bringt das sofort Gewinn.
Camiel van Asch: Wir haben dort über eine Investition von etwa 100.000 Euro in Anfahrschutz gesprochen. Das klingt nach einer beträchtlichen Summe. Aber wenn man dadurch langfristig produktiver und sicherer wird und die Menge an Waren betrachtet, die täglich ein- und ausgeht, hat man diese Investition schnell wieder hereingeholt.
Camiel van Asch: Dann erstellt man daraus einen Business Case für die Geschäftsleitung. Diese kann dann ganz einfach sagen: Das ist vertretbar.
Camiel van Asch: Ich habe auch ein Beispiel aus einem fleischverarbeitenden Betrieb. Dort entstanden jährlich Schäden in Höhe von etwa 200.000 Euro an Türen, Durchgängen und Wänden. Die Investition zur Absicherung aller kritischen Stellen belief sich auf etwa 80.000 Euro.
Camiel van Asch: Man ging davon aus, dass sich der jährliche Schaden dadurch von 200.000 Euro auf etwa 100.000 Euro verringern würde. Dann muss man niemandem mehr erklären, dass sich eine solche Investition amortisiert. Sie wurde daher auch sehr schnell genehmigt.
Roel van Gils: Und hat es auch etwas gebracht?
Camiel van Asch: Ja. Glücklicherweise haben wir Kunden, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten, gerade weil es Wirkung zeigt.
Roel van Gils: Die geben das also auch weiter.
Camiel van Asch: Stimmt. Manchmal bekomme ich Videos oder Fotos von Situationen am Arbeitsplatz zugeschickt. Dann sieht man, wie ein Schaden entstanden ist. Dann wenden wir beide kurz den Blick ab und denken: Wie konnte das nur passieren?
Roel van Gils: Aber es passiert.
Camiel van Asch: Es passiert. Auch in den Niederlanden.
[32:09] Sicherheit beginnt mit dem eigenen Verhalten
Roel van Gils: Zum Schluss, Camiel, was möchtest du unseren Zuhörern noch mit auf den Weg geben?
Camiel van Asch: Wir leben in einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt angespannt ist. An die Menschen werden hohe Anforderungen gestellt. Wir müssen alle bei gleicher Personalstärke einen Gang zulegen, denn zusätzliche Arbeitskräfte gibt es nicht.
Camiel van Asch: Das bedeutet, dass wir die Automatisierung weiter vorantreiben. Das erfordert zwar Investitionen, zahlt sich aber letztendlich auch aus.
Camiel van Asch: Meine Botschaft an Lagerleiter und Standortleiter lautet vor allem: Behalten Sie die Mitarbeiter vor Ort und deren Verhalten stets im Auge. In vielen Lagern arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und aus verschiedenen Kulturen zusammen. Gerade deshalb muss das Thema Sicherheit weiterhin ganz oben auf der Tagesordnung stehen.
Camiel van Asch: Letztendlich hängt die Sicherheit vom Verhalten ab. Wenn es dir als Lagerleiter oder Standortleiter gelingt, dieses Verhalten in die richtigen Bahnen zu lenken, bist du meiner Meinung nach der Star der Woche. Allerdings funktioniert das nur bis zu einem gewissen Grad, denn wir sind und bleiben Menschen.
Roel van Gils: Aber Linienführung ist natürlich etwas sehr Universelles. Das versteht jeder.
Camiel van Asch: Stimmt. Das gilt auch für den Aufprallschutz, die Beschilderung und alle anderen visuellen Lösungen. Diese machen jedem klar, was man erwartet.
Camiel van Asch: Ich wünsche jedem Lagerleiter und Standortleiter, dass das Thema Sicherheit weiterhin ganz oben auf der Tagesordnung steht. Dass sie auch tatsächlich etwas dafür tun. Und dass sie dafür von der Geschäftsleitung die notwendigen Mittel erhalten.
Camiel van Asch: Versuchen Sie in erster Linie, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Und wo das nicht gelingt – denn das ist nun einmal die Realität –, können Sie auf die dafür verfügbaren Lösungen und Produkte zurückgreifen.
Roel van Gils: Schön. Vielen Dank. Und mach das Beste daraus.
Camiel van Asch: Vielen Dank.



