Am 27. Mai erhielt Cruise Port Shore Power B.V. (CPSP) den goldenen igus vector award für eine integrierte mobile Landstromlösung. Kurz gesagt ermöglicht diese Lösung, dass Schiffe, die an der Wilhelminakade in Rotterdam anlegen, schnell, flexibel und effizient an das Stromnetz angeschlossen werden können. Wenn die Schiffe wieder auslaufen, lässt sich der Anschluss schnell wieder entfernen, woraufhin sich der Kai wieder in einen öffentlich zugänglichen Bereich verwandelt. Die innovative Bewegungstechnik löst damit eine konkrete gesellschaftliche und industrielle Herausforderung.
Alle zwei Jahre vergibt igus die „vector awards“ für die interessantesten, spannendsten, ungewöhnlichsten und innovativsten Anwendungen, bei denen Kunststoffgleitlager und Kabelzugsysteme erfolgreich zum Einsatz kommen. Die Auszeichnungen werden von einer Expertenjury in vier Kategorien vergeben: Gold, Silber, Bronze und Grün.

In diesem Jahr wurde der ‘Golden Vector Award’ an Cruise Port Shore Power B.V. für eine sogenannte „integrierte mobile Landstromlösung“ verliehen. Landstrom ist Strom, mit dem Schiffe vom Land aus versorgt werden, wenn sie in einem Hafen anlegen. Diese Art der Stromversorgung ist ab 2030 für alle Schiffe mit einer Tonnage von mehr als 5.000 Tonnen vorgeschrieben, doch bereits heute sind in verschiedenen Häfen die erforderlichen zuverlässigen Anschlüsse vorhanden. Eine nachhaltige und umweltfreundliche Alternative zu den herkömmlichen, umweltschädlichen Dieselaggregaten, die früher auf Schiffen und an Kais zur Versorgung des Bordnetzes eingesetzt wurden.

Die Bereitstellung von Landstrom an der Wilhelminakade in Rotterdam – wo CPSP seinen Sitz hat – ist nicht einfach. Das liegt daran, dass die Kade grundsätzlich öffentlich zugänglich ist. Einrichtungen, die Kreuzfahrtschiffe während des Anlegens mit Landstrom versorgen sollen, dürfen daher nicht im Weg stehen. CPSP suchte daher nach einer Lösung, die schließlich von igus in Zusammenarbeit mit Powercon entwickelt wurde. Die Lösung besteht aus einer 230 Meter langen Rinne, die parallel zur Hafenseite verläuft. In dieser Rinne fährt ein elektrisch angetriebener Wagen, auf dem im Grunde eine große Steckdose montiert ist: das igus Mobile Shore Power Outlet, kurz iMSPO. Das iMSPO liefert Landstrom, der praktisch vollständig durch Wind und Sonne erzeugt wird. Durch die Möglichkeit, sich über 230 Meter entlang des Kais zu bewegen, kann die Steckdose präzise an die Stelle des Schiffes herangefahren werden, an der sich der Stromanschluss befindet.
Nach der Positionierung wird der Wal.E. über die Rinne gefahren, und ein Ende eines dicken Kabels wird zum Schiff geführt, während das andere an die Anschlussschnittstelle angeschlossen wird. Wenn das Schiff ablegt, wird das Kabel an beiden Enden wieder abgekoppelt, der Wal.E. weggefahren und das System mit der Steckerschnittstelle sinkt zurück in die Rinne. Diese wird anschließend mit schweren Platten abgedeckt, woraufhin der Kai wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Das Know-how und die Produkte von igus sind an verschiedenen Stellen zu finden. Die in der Kabelrinne verwendete Rollenkabelbahn kommt beispielsweise auch in anspruchsvollen industriellen Umgebungen wie bei Kränen zum Einsatz. Die Rollenführung trägt dazu bei, das schwere Kabelbündel reibungslos und zuverlässig über große Entfernungen zu transportieren. Neben Stromkabeln umfasst die Installation auch Glasfaserkabel und Steuerstromkabel für Kommunikation, Überwachung und Sicherheitskontrolle.
Die Jury lobte das Projekt für seine Nachhaltigkeit, seine technische Innovation und seine praktische Anwendbarkeit.