[00:00] Einführung
Roel van Gils: Willkommen zu einer weiteren neuen Folge von Zwischen den Stellungen, der Podcast von Warehouse Logistiek Benelux. Heute werfen wir einen Blick in die Welt der Lagerprojekte. Wie entsteht eigentlich ein neues Lager? Welche Entscheidungen werden getroffen, bevor der erste Pfahl in den Boden gerammt wird? Und wie stellt man sicher, dass ein Entwurf letztendlich auch im Betrieb funktioniert? Darüber sprechen wir mit Etienne Teunissen von Groenewout, einem Spezialisten auf dem Gebiet der Lagerplanung und -umsetzung. Herzlich willkommen, Etienne.
Etienne Teunissen: Ja, danke.
Roel van Gils: Stell dich doch kurz vor.
Etienne Teunissen: Ich bin Etienne Teunissen. Ich habe einen Hintergrund im Maschinenbau. Ich habe in Delft studiert. Danach habe ich bei zwei Integratoren von Logistiksystemen gearbeitet. Vor fünf Jahren habe ich bei Groenewout als Logistikberater angefangen. Mein Schwerpunkt liegt auf allen Abläufen innerhalb des Betriebsgeländes, insbesondere auf Automatisierungsprojekten.
Roel van Gils: Also die Technik?
Etienne Teunissen: Ja, die Technik.
[00:52] Der Start eines Lagerprojekts
Roel van Gils: Viele Menschen sehen natürlich ein Gebäude mit Regalen, Maschinen und Produktionsprozessen. Aber wo beginnt ein solcher Prozess eigentlich?
Etienne Teunissen: Ja, eigentlich bei einem guten Entwurf. Wir gehen also oft von Daten aus. Zunächst schauen wir uns an, was der Kunde derzeit tut und in welche Richtung er sich in Zukunft entwickeln möchte. Auf diese Weise versuchen wir, den logistischen Bedarf für die Gegenwart, aber auch für die nächsten Jahre zu ermitteln – je nachdem, welchen Zeithorizont wir gemeinsam festlegen. Auf der Grundlage dieser Daten prüfen wir dann verschiedene Konzepte.
Roel van Gils: Aber die Kunden kommen zu euch mit einer Idee, sozusagen: „Wir möchten einen Neubau oder eine Erweiterung oder was auch immer?“
Etienne Teunissen: Ja, oft steckt etwas dahinter. Entweder haben sie die Möglichkeit, neue Räumlichkeiten anzumieten, oder sie stehen vor einer anderen Herausforderung. Sie müssen expandieren, ihre derzeitige Logistik reicht nicht mehr aus. Meistens gibt es an dieser Stelle einen Grund, der sie dazu veranlasst zu denken: Okay, das ist ein guter Zeitpunkt, um unsere eigene Logistik einmal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
[01:47] Datengestütztes Arbeiten
Roel van Gils: Und das fängt also mit Daten an, sagst du?
Etienne Teunissen: Ja, oft anhand von Daten. Denn eigentlich ist das doch die einfachste Methode, verschiedene Szenarien ganz objektiv zu betrachten und auf diese Weise eine fundierte Abwägung zu treffen.
Roel van Gils: Und Daten – woran muss man dabei denken? Was machen sie denn? Welche Daten braucht man dann?
Etienne Teunissen: Ja, im Idealfall so viel wie möglich. Dann möchten wir alles über den Lagerbestand, Nachschub und solche Dinge wissen, und zwar ziemlich detailliert. Es geht aber auch auf einer allgemeineren Ebene. Dann geht es eher darum, wie viele Auftragszeilen man pro Tag bearbeitet, wie hoch der Bedarf ist und um die Lagerkapazität. Es kann also eigentlich von einer einzigen Excel-Datei bis hin zu zwanzig Dateien reichen, die wir miteinander analysieren und aus denen wir ein ganzes Modell erstellen.
Roel van Gils: Und sind sich seine Kunden bewusst, dass sie diese Daten eigentlich benötigen, um weiterzukommen?
Etienne Teunissen: Heutzutage eigentlich schon. Die meisten Kunden verfügen über sehr viele Daten, daher läuft das oft ganz einfach. Und wie ich bereits sagte: Selbst wenn weniger Daten zur Verfügung stehen, können wir damit arbeiten. Dann stützen wir uns eher auf Interviews und einen Rundgang vor Ort. Aber auch auf diese Weise lässt sich ein Bild der aktuellen Situation zeichnen. Man möchte eigentlich wissen, wo man ansetzt, auch um diese neuen Modelle gut vergleichen zu können.
Roel van Gils: Du fängst also eigentlich nicht sofort mit dem Zeichnen und Bauen an?
Etienne Teunissen: Nein, nein, nein, auf keinen Fall.
[03:08] Verschiedene Szenarien
Roel van Gils: Und was sind die wichtigsten Entscheidungen in einer so frühen Phase?
Etienne Teunissen: Eigentlich vor allem Szenarien. Wir betrachten also oft beispielsweise ein vollständig manuelles Szenario. Das vergleichen wir mit einer Reihe anderer Szenarien. Diese bauen vor allem auf dem Grad der Mechanisierung auf. Man betrachtet also ein vollständig manuelles Szenario, ein Szenario, in dem etwas mehr automatisiert wird, und ein weiteres Szenario, in dem wirklich alle Register gezogen werden. So erhält man vor allem verschiedene Varianten. Das ist noch nicht unbedingt die endgültige Lösung.
Roel van Gils: Das legst du dann vor, sozusagen? Oder werdet ihr das gemeinsam noch verfeinern?
Etienne Teunissen: Ja, gemeinsam. Wir berechnen letztendlich alles bis ins Detail: Welche Auswirkungen hat das auf die Anzahl der Personen, die sich dort aufhalten, auf die Gebäudenutzung, wie viele Quadratmeter man benötigt und wie weit man mit einem solchen Konzept wachsen kann.
Roel van Gils: Ja, auch im Hinblick auf Flexibilität in der Zukunft.
Etienne Teunissen: Ja, manche Konzepte können das Wachstum eines Unternehmens einfach länger fördern als andere Konzepte.
Roel van Gils: Aber kommt es noch oft vor, dass dies vollständig manuell erfolgt?
Etienne Teunissen: Ja, manchmal schon. Das hängt eigentlich von den Produkten ab. Manche Produkte unserer Kunden eignen sich nicht für eine vollständige Automatisierung. Das hängt natürlich auch davon ab, wie viel Kapazität man hat. Wenn man einen etwas kleineren Betrieb hat und komplexe Produkte verarbeitet, zum Beispiel sehr große Holzplatten, und nicht allzu viele Produktionslinien betreibt, ist Automatisierung oft nicht die Lösung. Dann kann man sich immer noch nach dem optimalen manuellen Prozess umsehen. Eine reine Automatisierung ist in solchen Fällen oft schwierig.
[04:42] Gemeinsam zu einer Entscheidung kommen
Roel van Gils: Wie auch immer, man hat also eine Reihe von Szenarien, und dann liegt es am Kunden, sich zu entscheiden: Ich entscheide mich für das hier, oder ein bisschen von dem, oder vielleicht doch eine Mischung.
Etienne Teunissen: Ja, eigentlich kommt man gemeinsam zu diesem Ergebnis. Man beginnt also mit einer Reihe von Szenarien, etwa drei, vier oder fünf. Anschließend führen wir gemeinsam mit dem Kunden Workshops durch, in denen wir diese Szenarien besprechen. Von unserer Seite aus können wir vor allem die objektive Perspektive einbringen, also rein zahlenmäßig. Darüber hinaus besprechen wir gemeinsam auch die qualitativen Aspekte wie Flexibilität, Qualität und Nachhaltigkeit. Solche Aspekte lassen sich dann besser im Rahmen eines Workshops erörtern.
Roel van Gils: Und wie lange dauert eine solche Vorphase, um es einmal so zu nennen?
Etienne Teunissen: Dieser Prozess, eine Machbarkeitsstudie, dauert etwa zwölf bis sechzehn Wochen. Das hängt ein wenig vom jeweiligen Projekt ab. Das ist eigentlich der Anfang.
[05:32] Vertiefung des gewählten Konzepts
Roel van Gils: Ja, der Anfang. Dann ist das Studium abgeschlossen und die Entscheidung getroffen. Was passiert danach?
Etienne Teunissen: Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie wählen wir etwa in der achten bis zwölften Woche ein Konzept aus. Mit diesem ausgewählten Konzept führen wir anschließend eine weitere Vertiefung durch. Wir versuchen, es ein Stück weiter auszuarbeiten, damit der Kunde am Ende der Machbarkeitsstudie ein gutes Bild davon hat, was er erwarten kann und worauf er achten muss. Das ist zwar noch keine detaillierte Ausarbeitung, aber man hat dann bereits einen groben Plan. Man hat eine Vorstellung davon, wie es im Lager aussehen wird. Im Grunde genommen ist das ein erster Schritt, um mit diesem Konzept in die nächste Phase überzugehen.
Roel van Gils: Und damit ist die Machbarkeitsstudie dann eigentlich schon abgeschlossen?
Etienne Teunissen: Ja, das ist eigentlich in den zwölf bis sechzehn Wochen enthalten, die ich gerade erwähnt habe. Das gehört auch dazu.
Roel van Gils: Anschließend gehst du also zur nächsten Phase über.
Etienne Teunissen: Ja, stimmt. Dann kannst du dein Konzept noch einen Schritt weiter ausarbeiten.
Roel van Gils: Wie denn? Was meinst du damit?
Etienne Teunissen: Zum Beispiel im Bereich der Lagerung von Waren. Das Modell genauer unter die Lupe nehmen, um genau zu wissen, welche Lagerplätze man benötigt und wie viele von jedem Lagerplatztyp. Selbst ein Materialflussdiagramm (MFD) erstellen, aus dem hervorgeht, wie viele Transportvorgänge pro Stunde durchgeführt werden müssen. Eigentlich geht es darum, alles noch einen Schritt genauer zu betrachten.
[07:01] Detaillierte Ausarbeitung oder Einbeziehung von Lieferanten
Roel van Gils: Ist in dieser Phase eigentlich schon alles bekannt? Wie es am Ende aussehen wird?
Etienne Teunissen: Ja, das geht. Das ist wirklich eine Entscheidung. Man kann also so vorgehen, das ist die eine Möglichkeit. Andererseits kann man auch bereits Kontakt zu Lieferanten aufnehmen, das Ausschreibungsverfahren etwas offener gestalten und eine echte Zusammenarbeit mit dem Lieferanten anstreben. Die nächste Phase besteht also eigentlich darin, einen Lieferanten zu finden, oft ausgehend von einem Lastenheft.
Roel van Gils: Ein Lieferant im Sinne von?
Etienne Teunissen: Ja, der die Lösung liefern kann. Das kann einer oder auch mehrere sein. Oft tun wir das auf der Grundlage eines Lastenhefts, also des Anforderungskatalogs. Je nachdem, was man möchte, kann man darin sehr detailliert festhalten, was man erwartet. Dann braucht man vom Lieferanten eigentlich nur noch einen Sparringspartner und eine Preisausarbeitung. Oder man lässt es offener. Dann hat man bereits eine Richtung. Wir denken dabei an eine vollständige Mechanisierung. Wir denken beispielsweise an die Automatisierung einer Verpackungslösung. Dann bittet man den Lieferanten wirklich um Input, um gemeinsam über das Konzept nachzudenken. Dann ist die Detailphase, die man selbst durchführt, weniger notwendig.
[08:04] Entwerfen von innen nach außen
Roel van Gils: Aber du entwirfst von innen nach außen? Das Gebäude steht nicht im Vordergrund, um es mal so zu sagen. Ganz gleich, ob es sich um einen Neubau, eine Sanierung oder einen Anbau handelt.
Etienne Teunissen: Ja, im Idealfall entwirft man von innen nach außen. In der Praxis sieht man jedoch oft, dass Kunden beispielsweise bereits eine Option auf ein Gebäude haben oder dass eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes geplant ist.
Roel van Gils: Ist dann der Platz der begrenzende Faktor?
Etienne Teunissen: Eigentlich oft schon. Im Idealfall plant man zuerst die Logistik und sucht sich dann ein Gebäude, das dazu passt. In der Praxis sieht man jedoch, dass es oft doch umgekehrt ist. Was aber auch gut funktionieren kann.
[08:44] Herausforderungen während der Ausschreibungsphase
Roel van Gils: Womit haben Unternehmen in dieser Phase häufig zu kämpfen? Kannst du dazu zum Beispiel einige Beispiele nennen? Was sind die größten Herausforderungen in dieser Phase?
Etienne Teunissen: Während dieser Ausschreibungsphase?
Roel van Gils: Ja, noch während der Ausschreibung.
Etienne Teunissen: Ich glaube, es ist schon schwierig, sich auf ein Konzept festzulegen. Als gesamte Organisation muss man sich natürlich irgendwann für eine Richtung entscheiden. Das ist ziemlich aufregend, denn dann wird es plötzlich ganz real. Dann ist es endgültig. Vorher prüft man noch sehr viele Optionen, und alles ist noch möglich. Nach und nach schlägt man immer mehr einen bestimmten Weg ein, und dann kommen manchmal auch wieder die Zweifel auf. Sollten wir uns das nicht doch noch einmal ansehen? Oder sollten wir das hier noch kurz in Betracht ziehen? Das ist schon eine Herausforderung.
Roel van Gils: Werden dort auch die Lieferanten einbezogen? Oder ist das eine Option?
Etienne Teunissen: Oft schon. Oft geschieht das in Absprache. Diese Lieferanten verfügen wiederum über etwas mehr Fachwissen in bestimmten Bereichen, sodass sie die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten können. Es ist sehr hilfreich, sie auf jeden Fall mit einzubeziehen.
Roel van Gils: Aber dann ist es also endgültig so, und erst dann nimmt es wirklich Gestalt an. Oder Gestalt – jedenfalls scheint es dann zu laufen, so scheint es zumindest.
Etienne Teunissen: Ja, dann hat man eigentlich das Anforderungsprofil vorliegen und steht mit den Anbietern in Kontakt, oft mit mehreren. Dann kann das Auswahlverfahren beginnen.
Roel van Gils: Das muss natürlich auch noch geschehen.
Etienne Teunissen: Ja, das sollte man auf jeden Fall tun. Oder zumindest würde ich es immer empfehlen.
[10:06] Auswahl und Detailplanung
Roel van Gils: Man befindet sich dann natürlich in einem Prozess, in dem sich Herausforderungen oder Erwartungen noch ändern können. Diese Flexibilität muss man also ebenfalls einplanen. Das muss man natürlich immer berücksichtigen.
Etienne Teunissen: Ja, und das spiegelt sich auch ein wenig darin wider, wie fest du das PvE festgelegt hast. Manchmal ist alles sehr fest vorgegeben, und man hat innerhalb weniger Monate ein Angebot und ist sich einig. Wenn dieser Prozess offener ist, dauert es auch viel länger und es gibt viel mehr gemeinsame Überarbeitungsrunden. Dann schaut man sich das Konzept noch einmal an und passt noch einige Dinge an. Dieser Prozess dauert dann zwar länger, ist aber auch sehr lehrreich. Oft weiß das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht genau, wonach es sucht. Gerade eine solche Ausschreibungsphase kann für ein Unternehmen sehr nützlich sein, um herauszufinden, was es genau sucht und was die richtige Lösung ist.
Roel van Gils: Ja, das verstehe ich. Und folgt dann direkt die Umsetzungsphase oder gibt es da noch einen Schritt dazwischen?
Etienne Teunissen: Nein, die nächste Phase ist die Vertragsverhandlung und Auswahl. Sobald das alles feststeht, beginnst du eigentlich mit dem Lieferanten die Detailplanung. Du hast dann einen Verkaufsentwurf, in dem alles in großen Blöcken dargestellt ist. Das stimmt im Großen und Ganzen. Danach beginnt die Detailplanung. Es entstehen dann DWG-Detailzeichnungen, die Sie freigeben können. Gebäudeschnittstellen, also alles rund um Sprinkleranlagen, Beleuchtung und alles, was an das Gebäude angepasst werden muss, das doch nicht ganz für das geeignet war, was du vorhattest. Daneben noch allerlei andere Dinge, wie Schnittstellen zum WMS. Wie wirst du die Prozesse später vor Ort genau umsetzen? Das wird alles in dieser Detailplanungsphase ausgearbeitet.
Roel van Gils: Und dabei spielt ihr eine führende Rolle? Oder übernimmt ihr die Koordination?
Etienne Teunissen: Ja, dort können wir eigentlich im Namen des Kunden sprechen oder gemeinsam mit dem Kunden, um dessen Interessen in dieser Phase zu vertreten. Dabei können wir auch unsere Erfahrungen aus anderen Projekten einbringen. Gerade in der Detailplanung kann man manche Dinge etwas besser festlegen, damit man später in der Praxis weniger Probleme damit hat.
[12:16] Vorbereitungen für den Bau
Roel van Gils: Wir gehen von Phase zu Phase, denke ich mir dann eigentlich. Was ist denn nun tatsächlich die nächste Phase?
Etienne Teunissen: Nach der Detailplanung macht sich der Lieferant intensiv an die Arbeit. Als Kunde hast du dabei meist etwas weniger zu tun. Er nimmt die Produktion auf und kümmert sich um die Herstellung und Beschaffung aller Materialien. Vieles davon geschieht in seiner eigenen Fabrik. Natürlich bleibt der Kontakt bestehen, aber du spielst in dieser Phase eine weniger große Rolle.
Roel van Gils: Vielleicht schon einige Vorbereitungen in der neuen Halle oder im neuen Anbau treffen.
Etienne Teunissen: Ja, das ist auf jeden Fall möglich. Ich arbeite gerade an einem Projekt, bei dem Regale aus dem Palettenlager verlegt werden müssen, um Platz für die geplante Automatisierung zu schaffen. Dann fängt man in der Tat damit an, das Schüttgutlager zu leeren, die Regale zu versetzen, abzubauen und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Auf diese Weise schafft man bereits Platz und bereitet den Betrieb auf alles vor, was dort vor Ort geschehen wird.
Roel van Gils: Danach geht’s sozusagen richtig los.
Etienne Teunissen: Ja. Auch der Operationssaal muss dafür bereit sein, vor allem, wenn die Operation im laufenden Betrieb stattfindet. Dann wird sehr viel passieren.
Roel van Gils: Das bringt natürlich noch viele weitere Herausforderungen mit sich.
Etienne Teunissen: Ja, stimmt. Lärmbelästigung, hoher Platzbedarf. Meistens macht man so etwas, weil zum Beispiel das Lager voll ist. Dann muss man plötzlich sehr viel Platz schaffen, um etwas Neues aufbauen zu können.
Roel van Gils: Das klingt natürlich sehr seltsam. Zumindest widersprüchlich.
Etienne Teunissen: Ja, darüber müsst ihr gemeinsam gründlich nachdenken. Vor allem in Abstimmung mit dem operativen Bereich. Den müsst ihr unbedingt mit einbeziehen. Schließlich müssen auch in dieser Zeit weiterhin alle Bestellungen wie gewohnt versandt werden.
[13:51] Der Aufbau vor Ort
Roel van Gils: Die Lieferanten sind also alle mit dem Aufbau beschäftigt. Irgendwann kommen sie dann mit ihren Sachen an. Was ist dann der nächste Schritt?
Etienne Teunissen: Das kann eine ganze Menge sein. Plötzlich kommen mehrere Lkw mit sehr viel Material an, das alles gelagert werden muss. Danach beginnen sie vor Ort mit dem Bau. Oft fangen sie damit an, alle Linien auszumarkieren. Da sieht man eigentlich noch nichts passieren, aber es wird sehr viel gezeichnet. Alles wird abgesteckt, und danach beginnt langsam der Aufbau. Das beginnt oft mit Stahlbauarbeiten, natürlich je nach Projekt. Es werden Regale und Zwischengeschosse errichtet. Danach kommt immer mehr Automatisierung hinzu. Dann werden zum Beispiel die Förderbahnen verlegt. Zunächst alles mechanisch. Danach kann die Elektrotechnik ans Werk gehen und alles wird angeschlossen. Anschließend kommt man in die Inbetriebnahmephase. Dann laufen die Systeme wirklich an.
[14:47] Einarbeitung und Schulung der Mitarbeiter
Roel van Gils: Und dann müssen natürlich auch noch die Mitarbeiter eingearbeitet oder geschult werden, damit sie mit diesen neuen Anlagen arbeiten können.
Etienne Teunissen: Ja, das stimmt. Eigentlich führt der Lieferant bereits in dieser Inbetriebnahmephase Tests durch. Er führt alle möglichen Tests durch, und wo immer möglich, sollte man den Betrieb so früh wie möglich einbeziehen, damit auch die Mitarbeiter dort mit testen und sich bereits mit den Produkten und der neuen Arbeitsweise vertraut machen können. So sehen sie auch, wie eine solche Station funktioniert, und können gegebenenfalls noch Anregungen einbringen. Auf diese Weise werden sie eigentlich schon in dieser Testphase einbezogen.
Roel van Gils: Damit später ein nahtloser Übergang zum Live-Betrieb erfolgt.
Etienne Teunissen: Ja, genau. Abgesehen von dem Training, das sie erhalten, sorgt das Mitmachen bei den Tests dafür, dass sie sich bereits etwas besser mit der Technik vertraut machen und später reibungsloser live durchstarten können.
[15:36] Die Rolle von Groenewout
Roel van Gils: Und ist es dann für euch vorbei?
Etienne Teunissen: Nein. Eigentlich kann es für uns in jedem Schritt des gesamten Prozesses, den wir gerade beschreiben, enden. Manchmal führen wir nur die Machbarkeitsstudie durch. Manchmal führen wir die Machbarkeitsstudie und die Ausschreibung durch. Bei anderen Projekten kümmern wir uns wirklich um alles von A bis Z. Auch hier kann der Auftrag mit der Implementierung enden, sodass wir uns zurückziehen und der Kunde die Verantwortung übernimmt. Es kann aber auch sein, dass wir dabei bleiben, die Inbetriebnahme begleiten, den Hochlauf betreuen und danach eventuell noch Optimierungen vornehmen. Das hängt ganz von der Zusammenarbeit ab. Während des gesamten Prozesses arbeitet man wirklich gemeinsam mit dem Kunden. Dadurch ist dieser auch jederzeit in der Lage, das Projekt wieder zu übernehmen und selbst weiterzuführen.
[16:21] Wann ist ein Projekt erfolgreich?
Roel van Gils: Und woran erkennt man denn, wann ein Projekt wirklich erfolgreich ist?
Etienne Teunissen: Ich denke, nach einem Jahr.
Roel van Gils: Ach, wirklich erst nach einem Jahr?
Etienne Teunissen: Ja, nach der Inbetriebnahme. Wenn alles reibungslos läuft und sich die Aufregung gelegt hat, weiß man, ob es gelungen ist. Und wenn das nicht der Fall ist, weiß man auch, was man noch tun muss, damit es doch noch gelingt. Manchmal gibt es da noch Optimierungsbedarf. Dann muss man noch ein paar kleine Akzente verschieben, um es zu verbessern. Aber eigentlich kann man nach einem Jahr gut sagen, ob es ein erfolgreiches Projekt ist.
[16:52] Trends in der Lagerautomatisierung
Roel van Gils: Ihr seid natürlich voll dabei. Ihr habt bereits einige Entwicklungen angesprochen. Was beobachtet ihr derzeit am häufigsten? Was sind die neuesten Trends und Entwicklungen in Lagerhäusern?
Etienne Teunissen: Man sieht ohnehin, dass vieles automatisiert wird. Heutzutage wird in fast jeder Machbarkeitsstudie die Frage gestellt, was wir im Bereich der Automatisierung tun können. Früher hatten wir sehr viele Projekte, bei denen wir uns ausschließlich mit manuellen Konzepten befassten. Heute wird fast immer auch ein Automatisierungskonzept mit einbezogen. Das ist bei den Kunden wirklich ein aktuelles Thema. Auch nicht immer unbedingt wegen des Business Case. Manchmal auch, um die Qualität zu verbessern oder aufgrund der Personalverfügbarkeit. Während früher immer davon ausgegangen wurde, dass sich alles innerhalb von fünf Jahren amortisieren muss, sehen wir heute, dass diese Frist manchmal auch überschritten wird. Unternehmen sagen dann: Wir haben einfach das Ziel, zu automatisieren. Wie können wir das umsetzen?
Auch Flexibilität spielt eine große Rolle. Konzepte, die leicht skalierbar sind und mit dem Wachstum des Unternehmens mitwachsen können.
Roel van Gils: Wie zum Beispiel? Hast du dafür Beispiele?
Etienne Teunissen: Zum Beispiel AMR-Konzepte. Diese lassen sich relativ flexibel skalieren. Man kann mit einer geringeren Investition beginnen und dann jedes Jahr prüfen, wie der Bedarf aussieht und ob man mitwachsen muss. So kann man auch ein Jahr lang pausieren, ohne sofort erneut investieren zu müssen. Bei traditionellen Konzepten ist es oft so, dass man bereits im ersten Jahr die Hälfte umsetzt und einen Plan hat, die andere Hälfte in fünf Jahren hinzuzufügen. Das ist etwas weniger flexibel.
Roel van Gils: Und mit einem AMR kann man beispielsweise Teile des Betriebs automatisieren?
Etienne Teunissen: Ja. Nehmen wir zum Beispiel einen Kommissionierprozess. Da kann man mit tausend Auftragszeilen pro Stunde beginnen und diese Zahl jedes Jahr auf fünfzehnhundert und anschließend auf zweitausend erhöhen. So skaliert man Schritt für Schritt und kauft nach Bedarf weitere Roboter dazu.
[18:45] Wo fängt man mit der Automatisierung an?
Roel van Gils: Was wäre im Idealfall der erste Prozess, den du automatisieren würdest, wenn du noch gar nichts hättest?
Etienne Teunissen: Häufig Verpackung.
Roel van Gils: Ja, Verpackung.
Etienne Teunissen: Ja, oft die Verpackung. Dort ist die Amortisationszeit in der Regel am kürzesten. Der Automatisierungsgrad ist hoch und lässt sich relativ einfach in den Betriebsablauf integrieren. Die Mitarbeiter können sich recht leicht daran gewöhnen. Die Auswirkungen sind geringer als beispielsweise bei einem „Goods-to-Person“-System. Das verändert die gesamte Arbeitsweise. Das Verpacken betrifft eigentlich vor allem den letzten Prozess in Ihrem Lager und lässt sich recht gut als eigenständiger Teil automatisieren. Deshalb ist es auch ein guter erster Schritt für Unternehmen, die noch keine Automatisierungsmaßnahmen umgesetzt haben.
Roel van Gils: Okay. Danach fährst du logischerweise mit den anderen Prozessen fort.
Etienne Teunissen: Ja. Aus diesen Machbarkeitsstudien kann sich beispielsweise ein Plan ergeben, bei dem man im ersten Jahr mit der Automatisierung beginnt. Wenn das gut läuft, fährt man mit der Kommissionierung fort und prüft, wie man diese automatisieren kann. In dieser Machbarkeitsstudie ist dann bereits ein Endziel festgelegt. Zum Beispiel, dass das Lager im Jahr 2030 auf eine bestimmte Art und Weise aussehen soll, aber man setzt dies Schritt für Schritt um.
[19:56] Der Mehrwert von Groenewout
Roel van Gils: Wodurch zeichnet sich Groenewout für seine Kunden aus?
Etienne Teunissen: Ich denke vor allem an unsere Erfahrung in der Logistik. Wir haben viele Projekte begleitet und auch viele Projekte von der Machbarkeitsstudie bis hin zur Umsetzung durchgeführt. Dadurch wissen wir nicht nur, wie man etwas entwirft, sondern auch, was man in der Praxis berücksichtigen muss. Diese Erfahrung sorgt dafür, dass man bereits in der Entwurfsphase viele Aspekte einbeziehen kann, die man bei Implementierungsprojekten beobachtet hat. Zum Beispiel, was schiefgelaufen ist und was man bereits im Entwurf vermeiden kann. Man denke beispielsweise an die Phasenplanung der Inbetriebnahme oder daran, wie man während der Umsetzung in einen laufenden Betrieb integriert. Was muss man dabei beachten? All diese Erfahrungen helfen dabei.
[20:40] Auf dem Weg ins Jahr 2030
Roel van Gils: Wenn wir einen Blick auf das Jahr 2030 werfen – oder vielleicht sogar noch etwas weiter in die Zukunft –, wo stehen wir dann deiner Meinung nach? Was erwartest du hinsichtlich des Automatisierungsgrades? Oder kehren wir wieder zu Regalen zurück und laufen dort Roboter herum?
Etienne Teunissen: Ich glaube, der Trend, den wir derzeit beobachten, wird sich einfach fortsetzen. Also mehr Automatisierung. Vielleicht wird sich das „Piece Picking“ ja wirklich durchsetzen. Also Roboter, die einzelne Artikel aus einem Karton entnehmen können. Das ist etwas, das wir schon seit Jahren verfolgen, das aber immer noch nicht in großem Maßstab eingesetzt wird, weil die Technik noch nicht ganz so ausgereift ist, wie man es sich wünschen würde. Aber ich denke, dass hier sicherlich Fortschritte erzielt werden.
Roel van Gils: Und was die Sicherheit angeht? Ich kann mir vorstellen, dass sich Roboter und Menschen in den Weg kommen. Ist das kein Problem?
Etienne Teunissen: Nein, eigentlich läuft das ganz gut. Worauf man vor allem achten muss, ist, dass die Roboter nicht ständig aus Sicherheitsgründen stillstehen. Wenn man den gesamten manuellen Prozess quer durch die Roboterströme laufen lässt, warten diese Roboter nur auf Menschen. Eine gewisse Trennung ist also – abgesehen von der Sicherheit – auch gut, um die Effizienz der Roboter aufrechtzuerhalten.
[21:54] Empfehlungen für Organisationen
Roel van Gils: Wenn Sie Organisationen und Zuhörern, die über ein neues Lager oder über Automatisierung nachdenken, einen Rat geben dürften, wie würde dieser lauten?
Etienne Teunissen: Es wäre also ratsam, sich diese erste Phase – die Machbarkeitsstudie – genau anzusehen.
Roel van Gils: Das ist eigentlich das Wichtigste.
Etienne Teunissen: Ja. Man sieht oft, dass sich Unternehmen schnell auf ein Konzept festlegen. Oder dass sie sofort Gespräche mit einem einzigen Anbieter aufnehmen.
Roel van Gils: Oder auf der Grundlage von Erfahrungen.
Etienne Teunissen: Ja, oder weil sie gute Kontakte zu einem Lieferanten haben. Dann machen sie sich sofort gemeinsam an die Ausarbeitung eines Entwurfs. Ich würde empfehlen, zunächst einen Schritt zurückzutreten, die Sache eher aus der Vogelperspektive zu betrachten und verschiedene Konzepte nebeneinander zu stellen. Letztendlich legst du damit fest, wie deine Logistik in den kommenden Jahren aussehen wird. Wenn du ein paar Wochen mehr Zeit in diesen Schritt investierst, wirst du in einigen Jahren ein viel besseres Endergebnis erzielen.
Roel van Gils: Und wie lange dauert ein solches Projekt denn?
Etienne Teunissen: Das ist unterschiedlich. Von der Machbarkeitsstudie bis zur Umsetzung dauert es mindestens ein Jahr – aber dann geht es wirklich sehr schnell. Das betrifft zum Beispiel die Automatisierung einer Verpackungslinie. Meistens liegt der Zeitrahmen zwischen zwei und vier Jahren, je nach Umfang der Automatisierung.
Roel van Gils: Und natürlich spielt auch die Größe des Gebäudes eine Rolle.
Etienne Teunissen: Ja. Wenn es sich um eine große Automatisierungsanlage mit einem großen Gebäude und vielen Regalen handelt, dauert alles länger.
[23:15] Die Operation mitnehmen
Roel van Gils: Gibt es zum Schluss noch weitere Ratschläge?
Etienne Teunissen: Die Operation gut begleiten. Das ist meiner Meinung nach der andere wichtige Punkt. Die Operation zum richtigen Zeitpunkt einbinden, die Patienten mitdenken lassen und dafür sorgen, dass sie wissen, was passieren wird, was sie erwarten können, wie sie sich vorbereiten können und was sich alles ändern wird.
Roel van Gils: Also die Leute wirklich mitnehmen?
Etienne Teunissen: Ja. Ich glaube, das wird manchmal noch unterschätzt. Man möchte sie aber auch nicht schon in der allerersten Phase einbeziehen. Bei der Machbarkeitsstudie ist alles noch sehr konzeptionell und oft zu früh. Aber zum richtigen Zeitpunkt möchte man sie einbeziehen, denn von der Belegschaft kann wertvoller Input kommen. Für sie wird sich letztendlich sehr viel ändern.
Roel van Gils: Ja, das verstehe ich.
Etienne Teunissen: Es ist auch wichtig, sie für das Konzept und die neue Arbeitsweise zu begeistern. Damit sie die Vorteile erkennen und tatsächlich Lust darauf haben, mit der neuen Automatisierung zu arbeiten, anstatt sie als Bedrohung zu empfinden.
[24:14] Abschluss
Roel van Gils: Okay. Also, Etienne, vielen Dank für deine Einblicke. Danke, dass du gekommen bist. Und liebe Zuhörer, vielen Dank fürs Zuhören.


