Auf dem Linde Automation Summit in Aschaffenburg Ende 2025 präsentierten Linde Material Handling (MH) und ROSSMANN, eine der größten Drogeriemarktketten Europas, einen innovativen Roboterstapler für die autonome Kommissionierung in Lagern. Der Linde Robotic Case Picker (RoCaP) ist mit einem mehrachsigen Greifarm ausgestattet, der einzelne Pakete aufnimmt und auf einem integrierten Träger ablegt. Nach einer erfolgreichen Testphase setzt ROSSMANN die Erstinvestition in diese Fahrzeuge fort.
Jeder Lagerleiter wird zustimmen, dass die Kommissionierung von Mischpaletten oder Rollcontainern zu den arbeitsintensivsten Aufgaben in einem Lager gehört. Seit Jahren suchen Unternehmen nach Lösungen, um die manuelle Kommissionierung auf Paletten oder Rollbehältern zu automatisieren. Dahinter steht ein doppeltes Ziel: die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter zu reduzieren, Fehler zu minimieren und gleichzeitig dem zunehmenden Arbeitskräftemangel im Lagerbereich zu begegnen. Der innovative Linde RoCaP verspricht einen Durchbruch bei der Automatisierung dieser Aufgabe.
Im März letzten Jahres wurde die Vorentwicklung des neuen Staplers bei Linde MH abgeschlossen. Der nächste Meilenstein war die Validierung der Marktfähigkeit des innovativen Staplers in einer Kundenumgebung unter realistischen Bedingungen mit
des Proof-of-Concept-Ansatzes. Das international tätige Familienunternehmen ROSSMANN war sofort von dem Konzept überzeugt und suchte schon lange nach einer Lösung zur Entlastung der Mitarbeiter, insbesondere bei der Kommissionierung von Paketen mit einem Gewicht von bis zu 25 Kilogramm. Zunächst wurden die unternehmensspezifischen Anforderungen für den Einsatz im ROSSMANN-Regionallager in Burgwedel ermittelt. Es folgten mehrwöchige Tests, nach denen sich die Verantwortlichen bei ROSSMANN sehr positiv äußerten. “Der Linde RoCaP hat das Potenzial, einen bedeutenden Fortschritt in der Lagerlogistik darzustellen. Er kann dazu beitragen, den bestehenden Fachkräftemangel zu beheben und die Mitarbeiter von körperlich anstrengenden Tätigkeiten zu entlasten”, sagt Hendrik van Duuren, Geschäftsführer von ROSSMANN Logistics. Auch für Linde MH ist die Zusammenarbeit mit ROSSMANN von großem Wert. “Indem wir den Roboterstapler gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickeln, sichern wir den langfristigen Erfolg am Markt”, sagt Frank Wiezorek, Senior Director IKA Solutions bei Linde MH. Die Kooperation mit ROSSMANN unterstreicht die Bedürfnisse des Einzelhandelssegments.

Der neue Linde RoCaP basiert auf dem Linde L-MATIC HD, einem automatisierten Stapler mit einer Tragfähigkeit von 1,6 Tonnen und einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 7,2 km/h. Die Stapler-, Navigations- und Sicherheitstechnik sowie das Batteriefach, der Hubmast und der Automatisierungsbogen entsprechen denen des L-MATIC HD. Das sorgt für Kostenvorteile und Robustheit. Neu ist der intelligente Vier-Achsen-Roboterarm. Er ist fest mit dem Gabelträger verbunden, nimmt Pakete auf und setzt sie auf den Gabeln ab. Die Trägerkonstruktion für Rollbehälter ist speziell für den Einsatz bei ROSSMANN konzipiert. Sie wird von Stahlstützen getragen und hat eine klappbare Rampe, die am Stapler befestigt ist. So können die Rollcontainer auf und ab bewegt werden, während sie gleichzeitig während des Transports fest an ihrem Platz bleiben.
Über eine Serverschnittstelle erhält der Linde RoCaP seine Aufträge aus dem Lagerverwaltungssystem von ROSSMANN. Das RoCaP-Verwaltungssystem ermittelt anhand verschiedener Parameter den nächsten Regalplatz, darunter Größe und Gewicht der bestellten Artikel sowie die optimale Route. Dort angekommen, wird der Greifarm des Roboters ausgefahren. Das Gerät ist mit einer 3D-Kamera mit KI-Chips von NVIDIA ausgestattet. Die Kamera erkennt die Paletten in Echtzeit, prüft ihre Genauigkeit, führt eine optische Vermessung durch und grenzt den dreidimensionalen ‘Arbeitsraum’ ab. Es folgt ein komplexer Oberflächenscan. Dieser bestimmt die genaue Position der Packstücke auf der Palette und welches Packstück nach den definierten Vorgaben ausgewählt werden muss. Der Roboterarm nutzt dann eine spezielle Vakuumtechnik, um das Paket zu greifen und es in die gewünschte Position zu heben.
“Die Zusammenarbeit mit ROSSMANN hat das große Potenzial des Linde RoCaP gezeigt. Dieses wollen wir nun gemeinsam mit dem Kunden, der europaweit fast 5.000 Shops betreibt, ausbauen”, sagt Peter Krumbholz, Projektleiter im Bereich Advanced Robotic Solutions, der die Entwicklung des Linde RoCaP für Linde MH leitet. Die zeitaufwändige manuelle Kommissionierung im Lager von ROSSMANN wird nun schrittweise reduziert, um mehr Sicherheit, Effizienz und Durchsatz zu erreichen.
Der Linde RoCaP ist so flexibel konzipiert, dass er auch in anderen Lagern und Distributionszentren eingesetzt werden kann. “Dank des modularen Konzepts können wir auch andere automatisierte Stapler mit dem Greifarm ausstatten”, erklärt Entwicklungsingenieur Krumbholz. “Er eignet sich ideal für die Automatisierung von Brachflächen mit festem Lagerlayout und Mischbetrieb.” Dank fortschrittlicher Sicherheitstechnik für den Stapler und den Greifarm kann der Linde RoCaP gleichzeitig mit menschlichen Kollegen im selben Gang arbeiten. “Dieser Vorteil bietet große Chancen, da Mischbetriebe mit manuellen und automatisierten oder autonomen Staplern in Lager- und Produktionsumgebungen in Zukunft immer häufiger vorkommen werden”, sagt Frank Wiezorek. “Wir wollen mit dem Linde RoCaP einen wichtigen Beitrag leisten und unsere Kunden beim Übergang zur Automatisierung optimal unterstützen.”
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