Das Potenzial der KI ist groß, aber wie groß genau und wo soll man anfangen? In einem kürzlich veröffentlichten Whitepaper haben sich die Logistics Community Brabant, die Breda University of Applied Sciences, Midpoint Brabant und TKI Dinalog eingehender mit diesen Fragen befasst. Viele Logistikunternehmer sehen Chancen in der Automatisierung administrativer Aufgaben, doch es gibt noch weitaus mehr Möglichkeiten, wie beispielsweise den Einsatz von Studierenden, heißt es in dem Dokument, das für das Projekt ‘Circulaire Stromen – Next Level Logistics’ verfasst wurde.
Künstliche Intelligenz kann Logistikunternehmen dabei helfen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Dies geht aus dem Whitepaper ‘KI in der Logistikbranche – die Chance auf wertvolle Arbeit, mehr Effizienz und geringere Kosten’ hervor. Dazu gehören Tätigkeiten im Lager, in der Planung sowie in den Bereichen Verwaltung und Arbeitsvorbereitung. Die Senkung der Kosten ist tatsächlich eines der Ergebnisse von KI, doch dem gehen laut dem Dokument sowohl Softwareanbieter als auch Logistikdienstleister zufolge zunächst Recherche- und Testarbeiten voraus. Auf jeden Fall verändert sich die Arbeit in der Logistik. KI nimmt Arbeit ab, schafft aber gleichzeitig auch wertvolle Arbeit.

Der KI-Forscher Sebastian Piest von der Universität Twente: “Transportunternehmen gewinnen bereits viel mehr Informationen aus Logistikdaten als früher; mit KI können sie den nächsten Schritt gehen.” Er denkt dabei an die Vorhersage von Transportvolumina für die kommende Woche oder die darauffolgende. “Damit lässt sich abschätzen, wie viel Personal man benötigt.” Piest ist der Ansicht, dass bereits jetzt auf einfache Weise vieles möglich ist. “Beziehen Sie jedoch wichtige Prozessverantwortliche, wie beispielsweise Planer, ausdrücklich in die Erläuterung Ihrer Unternehmensziele ein. Und machen Sie die Mitarbeiter mit KI im beruflichen Umfeld vertraut.”
Kennis Transport & Logistics hat gemeinsam mit dem IT-Unternehmen TrueLime eine Plattform entwickelt, die dem Dienstleister dabei helfen soll, den täglichen Strom an unstrukturierten E-Mails mit Aufträgen, Fragen und Preisanfragen zu bewältigen. Die Mitarbeiter behalten die Kontrolle, verschwenden aber weniger Zeit mit sich wiederholenden Aufgaben, so das Unternehmen. KI eignet sich insbesondere für die Texteingabe und die Suche nach Angaben wie Be- und Entladedaten sowie Adressen. Dadurch lassen sich E-Mails mit Fragen zu den Kosten für den Transport einer Palette von A nach B schneller beantworten. Außerdem ist KI besonders gut darin, zu prüfen, ob Informationen fehlen oder Abweichungen vorliegen. Man denke beispielsweise an einen Transportauftrag, bei dem eine Ladeklappe benötigt wird, dies jedoch nicht gemeldet wurde. Der Dienstleister weist jedoch darauf hin, dass der Einsatz von KI Zeit und Durchhaltevermögen erfordert und dass kontinuierlich überprüft werden muss, ob die KI tatsächlich einen Nutzen bringt.

Der Einsatz von ‘fertigen’ KI-Tools ist eine Möglichkeit, die Kosten für KI-Pilotprojekte und -Prozesse zu senken. Für die Logistikbranche stehen bereits zahlreiche Tools zur Verfügung, beispielsweise von Start-ups. Dazu gehören beispielsweise Anwendungen, die sich mit einem TMS verknüpfen lassen. Der Schwerpunkt dieser Tools liegt häufig auf der Automatisierung menschlicher Tätigkeiten, der Überprüfung von Dokumenten sowie der Automatisierung und Vorbereitung von Arbeitsprozessen. Eine gute Dateninfrastruktur ist dabei eine enorme Hilfe. In dem Whitepaper werden verschiedene Start-ups genannt, ergänzt durch Angaben zu ihren Spezialgebieten.

Dozenten der Breda University of Applied Sciences (BUas) rufen Unternehmen schließlich nachdrücklich dazu auf, bei der Einführung von KI verstärkt auf Studierende zurückzugreifen. Der Grund: Ein kleiner Anfang mit einem einzigen Projekt kann der Startschuss für mehr Wertschöpfung in der Branche sein. Und die Erfahrung der Dozenten zeigt, dass aus einem Anwendungsfall schnell weitere Projekte entstehen und dank des frischen Blicks von jemandem, der ein Gespür für den Einsatz modernster Tools hat, zu mehr Erkenntnissen führen können.